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Basteln

Gips gießen: Formen, Schichtdicke und Entformen

Wie ein Gipsabguss entsteht: passende Form wählen, Trennmittel, blasenfrei einfüllen, armieren, Abbindewärme abwarten und sauber entformen.

Kurz gesagt

Gips wird in die vorbereitete, mit Trennmittel behandelte Form in einem dünnen ersten Strahl eingefüllt, damit die Detailflächen blasenfrei benetzt werden, danach zügig aufgefüllt. Die Form wird beim Einfüllen leicht geklopft, um Luft auszutreiben. Entformt wird erst, wenn die Abbindewärme wieder abgeklungen ist — bei kleinen Abgüssen nach etwa 30 bis 60 Minuten.

Von Redaktion Aura Shop

Beim Gießen entscheidet sich, ob aus einer guten Form ein guter Abguss wird. Die Fehler passieren fast alle in den ersten dreißig Sekunden.

Wie Gips angerührt wird, welche Sorte wofür taugt und was Sumpfen bewirkt, steht in Gips anrühren. Hier geht es um alles danach.

Die Form vorbereiten

FormmaterialTrennmittelBesonderheit
Silikonmeist keinseinfachste Wahl, gibt beim Entformen nach
Gips (Gipsform)zwingend, z. B. Seifenlösungsonst verbindet sich Gips mit Gips
Kunststoff, glattTrennwachs oder Spülmittel dünnglatte Wände, gute Entformung
Holzversiegeln, dann Trennmittelsaugt sonst Wasser aus dem Gips
LatexTalkumdehnbar, für Hinterschneidungen

Die Form muss standsicher stehen. Eine Form, die sich während des Abbindens neigt, ergibt eine schiefe Rückseite und bei Hohlgüssen ungleiche Wandstärken.

Trennmittel dünn auftragen. Zu viel Trennmittel sammelt sich in Vertiefungen und bildet dort weiche, verwaschene Stellen im Abguss.

Einfüllen

  1. Dünner Erststrahl. Den Gips in eine Ecke oder an eine Formwand laufen lassen und die Form so kippen, dass er die Detailflächen langsam überströmt. Direkt auf ein Gesicht oder ein Relief gegossen, schlägt der Strahl Luft in genau die Stellen, auf die es ankommt.
  2. Bei feinen Formen vorstreichen. Eine dünne erste Schicht mit dem Pinsel in die Details einarbeiten, kurz anziehen lassen, dann auffüllen.
  3. Klopfen und rütteln. Während und nach dem Füllen die Form mehrfach auf die Arbeitsplatte klopfen. Die Blasen steigen sichtbar auf.
  4. In einem Durchgang füllen. Zwei getrennt angerührte Chargen verbinden sich nicht mehr vollständig — die Grenzschicht bleibt eine Sollbruchstelle.
  5. Leicht überfüllen und die Rückseite nach dem Anziehen mit einem Brett oder Spachtel plan abziehen.

Hohlguss und Armierung

Für große oder wandhängende Stücke ist ein Vollguss zu schwer und zu materialaufwendig.

Schwenkguss. Eine Portion Gips in die Form geben und die Form so lange drehen und schwenken, bis sich eine gleichmäßige Schicht an der Wand angelegt hat. Nach dem Anziehen eine zweite Schicht auftragen.

Armierung kommt in die zweite Schicht: Jutegewebe, Glasfasermatte oder Sisalfasern werden in den noch weichen Gips eingedrückt und mit einer dritten dünnen Schicht überstrichen. Sie liegt nie in der ersten Schicht, weil sie sich sonst an der Sichtseite abzeichnet.

Mindestwandstärke acht bis zehn Millimeter, an Auskragungen mehr.

Abbinden und Entformen

Gips bindet chemisch ab und wird dabei spürbar warm. Diese Wärme ist der zuverlässigste Indikator:

  • Warm heißt: Reaktion läuft, nicht anfassen, nicht entformen.
  • Wieder kühl heißt: fest genug zum Entformen, bei kleinen Teilen nach etwa 30 bis 60 Minuten.
  • Trocken ist etwas anderes. Bis das Restwasser verdunstet ist, vergehen je nach Dicke Tage. Vorher nicht lackieren und nicht voll belasten.

Entformen ohne Hebeln an Kanten. Silikonformen werden vom Abguss zurückgerollt, starre Formen vorsichtig gleichmäßig gelöst — punktueller Druck bricht Ecken ab.

Nacharbeiten

  1. Grate mit einem Messer abziehen, solange der Gips noch leicht feucht und weich ist. Später braucht es die Feile.
  2. Lunker füllen mit angerührtem Gips derselben Sorte, mit dem Finger einarbeiten.
  3. Schleifen trocken mit 180er bis 320er Papier, mit Staubmaske.
  4. Grundieren vor dem Bemalen, sonst saugt der Gips die Farbe ungleichmäßig auf und der Auftrag wird fleckig.

Die vier häufigsten Fehler

Löcher an der Sichtfläche. Zu schnell und zu direkt eingefüllt, nicht geklopft.

Weiche, kreidige Stellen. Zu viel Wasser im Ansatz oder zu viel Trennmittel in der Form.

Riss quer durch den Abguss. In zwei Chargen gegossen oder zu früh entformt.

Abgebrochene Ecke beim Entformen. Punktuell gehebelt statt gleichmäßig gelöst — oder die Form hatte eine Hinterschneidung, die sie nicht hätte haben dürfen. Wie Formen so aufgebaut werden, dass der Abguss herausgeht, steht in Silikonform selber machen.

Sicherheit

Gipsstaub reizt die Atemwege — beim Einstreuen und beim Schleifen Maske tragen. Abbindender Gips wird warm und kann in größeren Mengen unangenehm heiß werden; deshalb wird Gips niemals um einen Körperteil herum abgebunden. Für Abformungen am Körper ist Alginat das richtige Material, siehe Alginat-Abformung. Gipsreste gehören nie in den Abfluss, sondern ausgehärtet in den Restmüll.

Häufige Fragen

Wann kann ich einen Gipsabguss entformen?

Wenn die Abbindewärme vorüber ist. Gips erwärmt sich beim Abbinden deutlich, und solange sich das Stück warm anfühlt, läuft die Reaktion noch — dann ist der Abguss weich und bricht an dünnen Stellen. Warten Sie, bis die Oberfläche sich wieder kühl anfühlt, bei kleinen Teilen also etwa 30 bis 60 Minuten. Das ist nicht dasselbe wie durchgetrocknet: Bis der Abguss wirklich trocken und voll belastbar ist, vergehen je nach Dicke mehrere Tage.

Warum hat mein Abguss Löcher an der Oberfläche?

Das sind Lufteinschlüsse, die beim Einfüllen an der Formwand hängen geblieben sind. Drei Gegenmittel wirken zusammen: Erstens den ersten Guss als dünnen Strahl in eine Ecke laufen lassen und die Form kippen, sodass der Gips die Detailflächen langsam überströmt statt darauf zu klatschen. Zweitens die Form während und nach dem Füllen mehrfach auf den Tisch klopfen oder vibrieren lassen. Drittens bei feinen Formen zuerst mit einem Pinsel eine dünne Gipsschicht in die Details streichen und erst dann volllaufen lassen.

Wie dick muss ein Gipsabguss sein?

Bei Vollgüssen ergibt sich die Dicke aus der Form. Bei Hohlgüssen und Reliefs sollten die Wände mindestens acht bis zehn Millimeter stark sein, an tragenden oder auskragenden Stellen mehr. Dünner wird es bruchgefährdet, weil Gips zwar hart, aber spröde ist und Zugkräfte kaum aufnimmt. Wo dünn gearbeitet werden muss, gehört eine Armierung hinein — Jutegewebe, Glasfasermatte oder Sisalfasern in der zweiten Schicht.

Kann ich Gips in eine Silikonform gießen?

Ja, das ist sogar die unkomplizierteste Kombination. Silikon braucht meist kein Trennmittel, gibt beim Entformen nach und überträgt feine Details sauber. Zwei Punkte sind zu beachten: Frischer Gips zieht Wasser, deshalb sollte die Silikonform vorher nicht nass, sondern nur leicht feucht oder trocken sein. Und Gips ist alkalisch — bei kondensationsvernetzenden Silikonen verkürzt häufiger Gipskontakt die Lebensdauer der Form spürbar.