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Basteln

Gips anrühren: Verhältnis, Sumpfen, Verarbeitungszeit

Warum Gips ins Wasser gestreut wird, was Sumpfen bewirkt und wie man blasenfreie, harte Abgüsse bekommt.

Von Redaktion Aura Shop

Kurz gesagt

Wasser vorlegen, Gips einstreuen und ohne Rühren einsinken lassen, dann blasenarm verrühren und zügig verarbeiten. Wer Gips in Wasser gießt statt einzustreuen oder sofort rührt, bekommt Klumpen und einen weichen Abguss.

Gips ist billig, detailtreu und schnell. Er verzeiht allerdings kaum Verfahrensfehler, und fast alle davon passieren beim Anrühren.

Die Gipssorten

Modellgips ist der Allrounder für Abgüsse aus Silikon- und Alginatformen. Gute Detailwiedergabe, mittlere Festigkeit, günstig.

Alabastergips ist feiner gemahlen und ergibt glattere, härtere Oberflächen, die sich besser schleifen und polieren lassen.

Hartgips und Dentalgips sind deutlich fester und maßgenauer, dafür teurer. Sie sind sinnvoll, wenn der Abguss belastet oder als Urmodell weiterverwendet wird.

Gipsbinden sind mit Gips beschichtete Mullbinden für Stützschalen und für Abformungen am Körper, siehe Abformtechnik.

Das Verhältnis

Jede Sorte hat ein eigenes Verhältnis von Gips zu Wasser, das auf der Packung steht. Es liegt meist zwischen 1,3:1 und 2:1 nach Gewicht, Gips zu Wasser.

Wer nach Gefühl arbeitet, sollte zumindest die Richtung kennen: Mehr Wasser bedeutet dünnflüssiger, aber weicher und kreidiger. Weniger Wasser bedeutet fester, aber schwerer zu vergießen und schneller abbindend.

Der Ablauf

  1. Wasser vorlegen. Immer zuerst das Wasser in den Behälter, nie umgekehrt.
  2. Gips einstreuen. Gleichmäßig über die Oberfläche streuen, nicht schütten, und dabei nicht rühren.
  3. Sumpfen lassen. Warten, bis der Gips vollständig durchfeuchtet ist und keine trockenen Inseln mehr an der Oberfläche stehen. Das dauert je nach Sorte ein bis drei Minuten. Dieser Schritt löst die Klumpenbildung, ohne dass man rühren muss.
  4. Rühren. Langsam und gründlich, mit einem flachen Werkzeug, Boden und Wände mitnehmen. Nicht schlagen, das schlägt Luft ein.
  5. Entlüften. Den Behälter mehrfach auf die Arbeitsfläche stoßen, damit Blasen aufsteigen.
  6. Gießen. In dünnem Strahl an eine Stelle, den Gips von selbst hochsteigen lassen. Die Form dabei leicht rütteln oder klopfen.
  7. Aushärten lassen. Der Gips erwärmt sich dabei spürbar, das ist normal. Entformt wird erst, wenn er wieder abgekühlt ist.

Verarbeitungszeit

Die Zeit vom Rühren bis zum Anziehen liegt je nach Sorte bei wenigen Minuten. Sie lässt sich nicht verlängern, indem man nachrührt: Rühren nach dem Anziehen zerstört die entstehende Kristallstruktur, und der Gips bleibt dauerhaft weich.

Alles muss deshalb vorher bereitstehen: Form, Werkzeug, Unterlage, Wasser zum Reinigen.

Häufige Fehler

SymptomUrsache
Klumpen im BreiGips zu schnell eingestreut oder zu früh gerührt
Abguss bröselt, kreidigzu viel Wasser
Blasen an der Oberflächezu schnell gerührt, nicht entlüftet, zu schnell gegossen
Details fehlenBrei zu dick, Form nicht gerüttelt, Form nicht entfettet
Bleibt weichnach dem Anziehen nachgerührt oder Wasser nachgegeben

Nachbearbeiten

Ausgehärteter Gips lässt sich schleifen, sägen und bohren. Frisch entformt ist er noch feucht und deutlich weicher, was feines Nacharbeiten erleichtert, aber Kanten empfindlich macht.

Für eine glatte, härtere Oberfläche kann der trockene Abguss mit verdünntem Holzleim oder einem Grundierharz versiegelt werden. Das ist auch die Voraussetzung, wenn er anschließend mit Gießharz übergossen oder in Silikon abgeformt werden soll, siehe Gießharz.

Sicherheit und Entsorgung

  • Gipsstaub ist lungengängig. Beim Einstreuen und beim Schleifen nicht einatmen, im Zweifel Maske tragen.
  • Abbindender Gips wird warm. In großen Mengen und am Körper kann er unangenehm heiß werden, weshalb Gipsbinden für Körperabformungen dünn aufgetragen werden.
  • Gipsreste gehören nie in den Abfluss. Sie härten im Siphon aus. Reste im Eimer aushärten lassen und als Feststoff entsorgen, Werkzeug in einem Wassereimer abspülen und dessen Bodensatz ebenfalls trocknen lassen.

Weiterlesen

Weitere Modelliermassen im Vergleich stehen in der Übersicht Basteln: Werkstoffe und Techniken.

Häufige Fragen

Was passiert, wenn ich mehr Wasser nehme?

Der Gips wird dünnflüssiger und läuft besser in feine Details, dafür sinkt die Endfestigkeit deutlich und die Abbindezeit steigt. Ein stark überwässerter Abguss bleibt kreidig und bröselt an Kanten. Weniger Wasser ergibt einen härteren, aber schwerer zu vergießenden Brei.

Kann ich abbindenden Gips mit Wasser wieder verdünnen?

Nein. Sobald die Kristallbildung begonnen hat, zerstört Rühren oder Wasserzugabe die entstehende Struktur. Der Gips wird danach nie mehr richtig fest. Angezogener Gips gehört in den Abfall, nicht zurück in den Eimer.

Wie beschleunige ich oder verzögere ich das Abbinden?

Warmes Wasser beschleunigt, kaltes verzögert. Ein wenig Salz beschleunigt zusätzlich, ein Schuss Zitronensäure oder ein spezieller Verzögerer verlängert die Verarbeitungszeit. Beides verändert allerdings auch die Endfestigkeit, deshalb sparsam einsetzen.