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Gießharz: Epoxid, Polyester und Polyurethan

Gießharz ist der Werkstoff, an dem die meisten Projekte scheitern oder gelingen. Wer Harzart, Mischungsverhältnis und Schichtdicke zusammen denkt, vermeidet die typischen Probleme: klebrige Oberflächen, Risse im Block, gelbe Verfärbungen.

Kurz gesagt

Für klare Güsse und Schmuck eignet sich Epoxidharz, für große Volumen und Laminate Polyesterharz, für schnelle Abgüsse in Formen Polyurethanharz. Die wichtigste Regel: Das Mischungsverhältnis steht auf dem Datenblatt und wird gewogen, nicht geschätzt.

Gießharz ist ein Sammelbegriff für sehr unterschiedliche Kunststoffe. Sie haben gemeinsam, dass sie flüssig verarbeitet werden und durch eine chemische Reaktion aushärten. Alles andere unterscheidet sich: Verarbeitungszeit, mögliche Schichtdicke, Schrumpf, Transparenz, Geruch und Preis.

Wer die drei großen Familien auseinanderhält, trifft die meisten Materialentscheidungen richtig.

Die drei Harzfamilien im Vergleich

EpoxidharzPolyesterharzPolyurethanharz
Typisches Mischungsverhältnis100:50 bis 100:100 nach Gewicht100:1 bis 100:2 (Härter)meist 1:1
Topfzeit20 Minuten bis mehrere Stunden10 bis 30 Minuten1 bis 5 Minuten
Schichtdicke pro Gussje nach Typ wenige mm bis 5 cm1 bis 2 cmformfüllend
Schrumpfsehr geringdeutlich, 2 bis 8 Prozentgering
Transparenzsehr gut, vergilbt langsamgut, vergilbt schnellermeist opak
Geruchgeringstark (Styrol)gering bis mittel
Typischer EinsatzSchmuck, River Table, BeschichtungLaminate, große Volumen, GFKschnelle Serienabgüsse

Diese Werte sind Orientierung, keine Produktangaben. Jedes Harz hat ein technisches Merkblatt, und dort stehen die verbindlichen Zahlen.

Wonach die Auswahl wirklich geht

Transparenz. Wenn das Ergebnis glasklar sein soll und bleiben soll, führt kaum ein Weg an Epoxidharz vorbei. Polyester vergilbt unter UV-Licht schneller. Ein UV-Stabilisator verlangsamt das, verhindert es aber nicht.

Volumen. Große Güsse setzen viel Reaktionswärme frei. Bei Epoxid kann ein zu dicker Guss so heiß werden, dass er sich verfärbt oder reißt. Für dicke Blöcke gibt es spezielle langsam reagierende Gießharze, deren Topfzeit bei mehreren Stunden liegt.

Zeitdruck. Polyurethanharz ist nach wenigen Minuten formstabil und macht Serien möglich. Der Preis dafür: Es verzeiht keine Verzögerung beim Anrühren, und viele Systeme reagieren empfindlich auf Feuchtigkeit.

Untergrund und Zweck. Für Laminate mit Glasfaser ist Polyesterharz das klassische und günstigste System. Für Beschichtungen auf Holz oder als Kleber mit Spaltfüllung ist Epoxid überlegen.

Was beim Anrühren schiefgeht

Die drei häufigsten Fehler haben alle dieselbe Folge, eine nicht vollständig aushärtende Masse:

  1. Falsch dosiert. Das Mischungsverhältnis wird gewogen, nicht nach Augenmaß geschätzt. Bei Epoxid gilt es nach Gewicht oder nach Volumen, je nach Hersteller. Beides zu verwechseln ist ein klassischer Fehler.
  2. Zu kurz gerührt. Zwei bis drei Minuten langsam rühren, dabei Wände und Boden des Bechers mitnehmen. Unvermischtes Material an der Becherwand ist die häufigste Ursache klebriger Stellen.
  3. Zu kalt. Unterhalb der angegebenen Verarbeitungstemperatur läuft die Reaktion unvollständig. Werkstatttemperaturen um 20 Grad sind für die meisten Systeme der sichere Bereich.

Nach dem Anrühren hilft das Umtopfen in einen zweiten Becher: Was an der Wand des ersten Bechers hängengeblieben ist, kommt so nicht mit in den Guss.

Luftblasen loswerden

Blasen entstehen beim Rühren und beim Eingießen. Langsam rühren, dünn und aus geringer Höhe eingießen. Danach steigen die Blasen von selbst auf, solange das Harz noch dünnflüssig ist. Kurzes Überstreichen mit einem Heißluftfön oder einem Gasbrenner aus Abstand lässt die oberflächennahen Blasen platzen. Bei anspruchsvollen klaren Güssen führt an einer Vakuum- oder Drucktopfbehandlung kein Weg vorbei.

Sicherheit ist hier kein Nebensatz

Epoxidharz und besonders die Härterkomponente sind hautsensibilisierend. Wer einmal eine Allergie entwickelt hat, kann in der Regel nicht mehr mit dem Material arbeiten. Das ist der eigentliche Grund für Handschuhe, nicht die Sauberkeit.

  • Nitrilhandschuhe, ausreichend dick, bei Verschmutzung wechseln
  • Schutzbrille, weil Härterspritzer im Auge ein Notfall sind
  • Belüftung, bei Polyesterharz zwingend wegen des Styrolanteils
  • Atemschutz beim Schleifen ausgehärteter Harze
  • Reste aushärten lassen und als Feststoff entsorgen, nie flüssig in den Abfluss

Polyurethansysteme enthalten Isocyanate. Sie sind bei sachgemäßer Verarbeitung beherrschbar, verlangen aber konsequente Belüftung und dürfen nicht versprüht werden.

Wie es weitergeht

Ein Guss braucht fast immer eine Form. Welches Silikon dafür passt, wie ein Zweiteiler entsteht und warum das Trennmittel über Erfolg und Misserfolg entscheidet, steht im Bereich Abformtechnik und Formenbau. Wenn der Guss danach lackiert werden soll, hilft der Abschnitt zu Grundierung und Lackaufbau im Modellbau.

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Häufige Fragen

Warum bleibt mein Epoxidharz klebrig?

In fast allen Fällen stimmte das Mischungsverhältnis nicht oder es wurde zu kurz gerührt. Epoxidharz härtet nicht durch Trocknen, sondern durch eine chemische Reaktion zwischen Harz und Härter. Fehlt Härter oder ist er ungleichmäßig verteilt, bleiben Bereiche dauerhaft weich. Weitere Ursachen sind Temperaturen unter der vom Hersteller angegebenen Verarbeitungstemperatur und hohe Luftfeuchtigkeit während der Aushärtung.

Wie dick darf ich Epoxidharz in einem Guss gießen?

Das hängt vom Harztyp ab. Dünnflüssige Gießharze für große Schichtdicken erlauben je nach Produkt 2 bis 5 Zentimeter pro Lage, Laminier- und Beschichtungsharze oft nur wenige Millimeter. Wird die angegebene Schichtdicke überschritten, staut sich die Reaktionswärme, das Harz wird heiß, verfärbt sich gelb und kann reißen. Die maßgebliche Angabe steht im technischen Merkblatt des Herstellers.

Kann ich Gießharz einfärben?

Ja, aber nur mit Farbmitteln, die für das jeweilige Harzsystem freigegeben sind. Wasserbasierte Farben stören die Reaktion. Übliche Zugabemengen liegen im niedrigen einstelligen Prozentbereich des Gesamtgewichts; zu viel Farbe verhindert die vollständige Aushärtung.

Ist Epoxidharz gefährlich?

Nicht ausgehärtetes Epoxidharz und besonders der Härter sind hautreizend und sensibilisierend. Eine einmal entstandene Allergie bleibt und kann die weitere Arbeit mit dem Material unmöglich machen. Deshalb gehören Nitrilhandschuhe in ausreichender Materialstärke, Schutzbrille und gute Belüftung zur Grundausstattung. Ausgehärtetes Harz ist bei bestimmungsgemäßer Verwendung unkritisch, Schleifstaub aber nicht: hier zusätzlich Atemschutz tragen.

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