Basteln
Pappmaché: Kleister, Schichten und Trocknung
Streifen- und Breitechnik im Vergleich, welcher Kleister hält, wie viele Lagen es braucht und warum Trocknungszeit die häufigste Fehlerquelle ist.
Kurz gesagt
Für tragfähige Objekte braucht es sechs bis acht Lagen Zeitungsstreifen mit Tapetenkleister, jede Lage quer zur vorherigen und jede zweite bis dritte Lage vollständig durchgetrocknet. Pappmaché-Brei aus eingeweichtem Papier ist für Modellierarbeiten gedacht, nicht für Hohlkörper.
Von Redaktion Aura Shop
Pappmaché ist einer der wenigen Werkstoffe, die fast nichts kosten und trotzdem tragfähige Objekte ergeben. Die Technik ist in fünf Minuten erklärt — der Rest ist Geduld beim Trocknen, und genau daran scheitern die meisten Projekte.
Zwei Techniken
Streifentechnik (Kaschieren). Papierstreifen werden in Kleister getränkt und lagenweise über einen Kern gelegt. Das Ergebnis ist ein Hohlkörper mit dünner, fester Wand. Die Methode für Masken, Schalen, Figuren und alles Große.
Breitechnik (Pulp). Papier wird in Wasser eingeweicht, zerfasert, ausgedrückt und mit Kleister zu einer knetbaren Masse verarbeitet. Damit wird modelliert wie mit Ton. Gut für Details und für das Auffüllen von Vertiefungen, nicht für tragende Hohlkörper — die Masse trocknet langsam und schrumpft deutlich.
Im Zusammenspiel liefern beide das beste Ergebnis: Grundkörper kaschieren, Details mit Brei aufmodellieren.
Kleister
Für die Streifentechnik ist Tapetenkleister aus Methylcellulose der Standard: Er schimmelt nicht, hält wochenlang und lässt sich in beliebiger Menge frisch ansetzen. Selbst gekochter Mehl- oder Stärkekleister ist die Wahl, wenn kleine Kinder mitarbeiten. Wo es auf Festigkeit ankommt, kommen zehn bis zwanzig Prozent Holzleim dazu.
Die Rezepte mit Mischverhältnissen, die Unterschiede in Festigkeit und Haltbarkeit sowie das Vorgehen gegen Schimmel stehen in Kleister selber machen.
Aufbau
- Kern vorbereiten. Luftballon, Schale, geknülltes Papier mit Klebeband, Styropor. Wenn der Kern drin bleiben soll, muss er feuchtigkeitsunempfindlich sein.
- Trennschicht. Auf Ballon oder Schüssel eine Lage Frischhaltefolie oder etwas Vaseline, sonst löst sich das Objekt nicht.
- Papier reißen, nicht schneiden. Streifenbreite 2 bis 4 cm.
- Erste Lage auflegen und mit dem Pinsel oder mit den Fingern satt durchtränken. Streifen sollen einander um etwa ein Drittel überlappen.
- Zweite Lage quer zur ersten. Wechselnde Richtungen geben die Festigkeit — wie bei Sperrholz.
- Nach jeder zweiten bis dritten Lage vollständig durchtrocknen lassen. Das ist der Schritt, den alle überspringen und der über Schimmel entscheidet.
- Sechs bis acht Lagen für ein tragfähiges Objekt. Für eine Maske reichen vier bis fünf.
- Letzte Lage aus weißem Papier oder Küchenpapier, damit der Zeitungsdruck nicht durch die Farbe schlägt.
Tipp gegen Blasen: Jede Lage von der Mitte nach außen ausstreichen. Wo Luft eingeschlossen ist, löst sich später die Schicht.
Trocknen
- Warm und luftig, aber nicht auf der Heizung: Zu schnelles Trocknen auf einer Seite verzieht das Objekt.
- Wenden, damit alle Seiten Luft bekommen.
- Ein Objekt ist trocken, wenn es sich leicht anfühlt und beim Klopfen hohl klingt. Kalte, klamme Stellen sind noch feucht.
- Große Objekte brauchen mehrere Tage. Wer vorher lackiert, schließt die Feuchtigkeit ein.
Oberfläche und Finish
- Schleifen mit 120er bis 240er Papier. Pappmaché lässt sich erstaunlich fein schleifen.
- Unebenheiten mit Pulp oder Spachtelmasse füllen und noch einmal schleifen.
- Grundieren mit Gesso oder weißer Acrylfarbe — sonst schlägt der Zeitungsdruck durch und die Farbe zieht ungleichmäßig ein.
- Bemalen mit Acrylfarbe.
- Versiegeln mit Acryllack, matt oder glänzend. Zwei bis drei dünne Schichten statt einer dicken.
Für Objekte, die stabiler sein müssen als Papier, ist Gips der nächste Schritt.
Häufige Fragen
Welcher Kleister ist der richtige?
Methylcellulose-Tapetenkleister ist der beste Kompromiss: schimmelresistent, geruchsneutral, lange offen, günstig. Selbst gekochter Mehlkleister funktioniert und ist unbedenklich für Kinder, neigt aber zum Schimmeln, wenn das Objekt nicht schnell durchtrocknet. Holzleim mit Wasser verdünnt gibt die härtesten Ergebnisse, ist aber teurer und nach dem Trocknen nicht mehr korrigierbar.
Warum schimmelt mein Objekt von innen?
Weil die inneren Lagen eingeschlossen sind und nicht abtrocknen konnten. Das passiert, wenn zu viele Lagen ohne Zwischentrocknung aufgebaut werden oder wenn ein Ballon oder eine Folie als Kern im Objekt bleibt und die Feuchtigkeit staut. Abhilfe: nach jeder zweiten bis dritten Lage vollständig durchtrocknen lassen und den Kern nach dem Trocknen entfernen oder das Objekt aufschneiden.
Kann ich Pappmaché wetterfest machen?
Nur bedingt. Eine Grundierung und mehrere Schichten Acryllack oder Bootslack machen ein Objekt spritzwasserfest und für den kurzen Außeneinsatz tauglich. Dauerhaft im Freien ist Pappmaché nicht: Sobald irgendwo Feuchtigkeit eindringt, quillt der Papierkern auf und das Objekt verliert seine Form. Für den Garten sind Zementmörtel oder Beton die passenderen Werkstoffe.
Welches Papier eignet sich am besten?
Zeitungspapier, weil es ungestrichen ist und den Kleister aufsaugt. Hochglanzpapier aus Magazinen ist beschichtet und nimmt kaum Kleister an — die Lagen lösen sich später. Küchen- und Toilettenpapier sind für die letzte, glättende Lage gut, tragen aber nichts. Papier wird gerissen, nicht geschnitten: Eine gerissene Kante läuft dünn aus und verschwindet, eine geschnittene zeichnet sich ab.