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Modellbau: Bauen, Spachteln, Lackieren

Der Unterschied zwischen einem gebauten und einem guten Modell liegt in der Oberfläche. Grundierung, Lackaufbau und Alterung entscheiden mehr als der Bausatz.

Kurz gesagt

Der Unterschied zwischen einem gebauten und einem guten Modell liegt in der Oberfläche: grundieren, in dünnen Lagen lackieren, mit Klarlack für Decals versiegeln, dann Washing und Trockenmalen für Tiefe und zuletzt matt versiegeln.

Ein Bausatz ist die Vorlage, nicht das Ergebnis. Was ein Modell überzeugend macht, entsteht nach dem Zusammenbau: eine saubere Oberfläche, ein nachvollziehbarer Farbaufbau und eine Alterung, die zur Geschichte des Objekts passt.

Die Reihenfolge

Diese Abfolge hat sich durchgesetzt, weil jeder Schritt den nächsten vorbereitet:

  1. Bauen und verschleifen. Teile entgraten, Nähte verschweißen, spachteln, schleifen.
  2. Grundieren. Dünn und gleichmäßig. Die Grundierung ist die Kontrollschicht für alle Bauarbeiten.
  3. Grundfarbe. In mehreren dünnen Lagen, bis die Deckung stimmt.
  4. Glanzklarlack. Als Untergrund für Decals und als Trennschicht.
  5. Decals. Mit Weich- und Haftmittel, damit sie sich an Gravuren anlegen.
  6. Washing und Filter. Für Tiefe in Gravuren und für Farbvariation.
  7. Trockenmalen und Kantenbetonung. Für Höhen und Abnutzung.
  8. Abschlusslack. Matt, seidenmatt oder glänzend, je nach Vorbild.

Wer die Schritte 4 und 5 vertauscht oder Schritt 3 überspringt, bekommt vorhersehbare Probleme.

Kleben und spachteln

Plastikkleber löst Polystyrol an und verschweißt die Teile. Das ist bei Kunststoffbausätzen die erste Wahl, weil die Naht danach zum Material gehört.

Sekundenkleber klebt alles, auch Resin und Fotoätzteile, bleibt aber spröde. Mit Aktivator härtet er sofort, mit Füllstoff wie Talkum lässt er sich als Spachtel verwenden.

Weißleim ist für Klarteile geeignet, weil er nicht beschlägt.

Spachtelmassen gibt es lösemittelbasiert für feine Rillen und als Zweikomponentenmasse für größere Fehlstellen. Lösemittelspachtel schrumpft beim Trocknen, deshalb lieber zweimal dünn als einmal dick.

Lackieren

Dünne Lagen sind der ganze Unterschied. Eine dick aufgetragene Schicht verdeckt Gravuren, läuft an Kanten und trocknet ungleichmäßig. Drei dünne Lagen mit Zwischentrocknung ergeben eine gleichmäßige, gravurtreue Oberfläche.

Für Airbrush gelten dabei die Regeln zu Düse, Druck und Verdünnung aus dem Bereich Airbrush. Mit dem Pinsel funktioniert es ebenfalls, verlangt aber Farben mit gutem Verlauf und Geduld.

Maskieren mit Modellbau-Abklebeband, das sich rückstandsfrei löst. Die Kante mit dem Fingernagel andrücken und zuerst mit der Grundfarbe übersprühen: Was unter die Kante kriecht, ist dann die alte Farbe und fällt nicht auf.

Alterung

Alterung erzählt eine Geschichte. Ein Fahrzeug, das im Schlamm stand, sieht anders aus als eines, das in der Wüste stand.

  • Washing setzt sich in Vertiefungen und betont Gravuren.
  • Filter sind sehr stark verdünnte Farben, die den Gesamtton verschieben und gleichförmige Flächen lebendiger machen.
  • Trockenmalen hebt Kanten hervor: fast trockener Pinsel, wenig Farbe, seitlich über erhabene Stellen streichen.
  • Chipping simuliert abgeplatzten Lack, mit Schwamm oder feinem Pinsel.
  • Pigmente stellen Staub, Schlamm und Ruß dar und werden trocken oder mit einem Fixierer aufgebracht.

Weniger ist hier fast immer mehr. Alterung sollte an einer Stelle beginnen, die später verdeckt wird.

Dioramen

Ein Diorama setzt das Modell in eine Umgebung. Der Sockel entscheidet über die Wirkung. Für Wasser eignen sich Gießharze, siehe Gießharz, für Gelände Strukturpasten und Modelliermassen aus dem Bereich Basteln. Beleuchtete Fenster und Positionslichter lassen sich mit Lichtfasern ohne Wärmeeintrag im Modell umsetzen, siehe Lichtfaser und LED.

Sicherheit

Schleifstaub von Kunststoff, Resin und Spachtel ist lungengängig. Resin ist dabei besonders kritisch und sollte nass geschliffen oder abgesaugt werden. Lösemittelhaltige Kleber und Farben brauchen Belüftung, Sprühnebel eine Absaugung.

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Häufige Fragen

Muss ich Kunststoffmodelle grundieren?

In den meisten Fällen ja. Die Grundierung gleicht unterschiedliche Untergründe an, macht Spachtelstellen und Kratzer sichtbar, bevor die Farbe drauf ist, und gibt der Farbe Haftung. Auf glattem Polystyrol hält Acrylfarbe ohne Grundierung schlecht und lässt sich beim Hantieren abreiben.

Wie bekomme ich Nahtstellen unsichtbar?

Die Teile zunächst mit Plastikkleber verbinden, der den Kunststoff anlöst und verschweißt. Die austretende Wulst nach dem Aushärten trocken verschleifen, in mehreren Körnungen bis fein. Bleibt eine Rille, kommt Spachtelmasse hinein, danach erneut schleifen. Kontrolliert wird das Ergebnis mit einer Schicht Grundierung, nicht am blanken Kunststoff.

Was ist ein Washing?

Ein Washing ist stark verdünnte, dunkle Farbe, die über das lackierte Modell gegeben wird und sich in Vertiefungen sammelt. Dadurch treten Gravuren und Kanten hervor. Damit sich das Washing nicht mit der Grundfarbe verbindet, kommt zuvor eine Schicht Klarlack als Trennschicht darüber.

Warum kleben Decals nicht richtig?

Decals brauchen einen glatten, glänzenden Untergrund. Auf einer matten Lackschicht bleiben winzige Lufteinschlüsse unter der Folie stehen, die als heller Rand sichtbar werden, das sogenannte Silvering. Deshalb vor dem Aufbringen mit Glanzklarlack versiegeln und Weichmacher verwenden.

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