Basteln
Kleister selber machen: Rezepte, Mengen und Haltbarkeit
Mehlkleister und Stärkekleister selbst kochen, Tapetenkleister richtig ansetzen — mit Mischverhältnissen, Festigkeitsvergleich und Lagerung.
Kurz gesagt
Mehlkleister entsteht aus einem Teil Mehl und fünf Teilen Wasser: Mehl in kaltem Wasser klümpchenfrei anrühren, in kochendes Wasser einrühren, drei bis fünf Minuten köcheln. Stärkekleister funktioniert genauso mit Speisestärke im Verhältnis 1:6. Beide halten gekühlt zwei bis drei Tage, Tapetenkleister aus Methylcellulose dagegen wochenlang.
Von Redaktion Aura Shop
Kleister ist der billigste Werkstoff im Bastelregal und der, an dem am meisten hängt: Er entscheidet über Festigkeit, Trocknungszeit und darüber, ob ein Objekt nach zwei Wochen schimmelt.
Die drei Kleistersorten
| Mehlkleister | Stärkekleister | Tapetenkleister | |
|---|---|---|---|
| Basis | Weizenmehl | Speisestärke | Methylcellulose |
| Verhältnis | 1:5 | 1:6 | nach Packung |
| Zubereitung | kochen | kochen | einrühren, quellen |
| Aussehen | trüb, leicht gelblich | klar bis leicht milchig | klar, gelartig |
| Festigkeit | mittel | mittel | gut |
| Haltbarkeit | 2–3 Tage gekühlt | 2–3 Tage gekühlt | Wochen |
| Schimmelrisiko | hoch | hoch | gering |
| Kosten | sehr gering | gering | gering |
Mehlkleister kochen
Für etwa einen halben Liter:
- 100 Gramm Weizenmehl in 150 Milliliter kaltem Wasser klümpchenfrei anrühren. Das ist der entscheidende Schritt — Mehl in heißes Wasser ergibt sofort Klumpen.
- 400 Milliliter Wasser zum Kochen bringen.
- Die Mehlaufschlämmung unter ständigem Rühren in das kochende Wasser gießen.
- Drei bis fünf Minuten bei kleiner Hitze weiterrühren, bis die Masse andickt und glasig wird.
- Vom Herd nehmen und vollständig abkühlen lassen. Kalter Kleister ist deutlich dicker als heißer — wer im heißen Zustand nachdickt, bekommt eine Paste.
Zu dick geratener Kleister lässt sich kalt mit etwas Wasser verdünnen, zu dünner nicht mehr sinnvoll nachdicken.
Stärkekleister kochen
Derselbe Ablauf mit Speisestärke im Verhältnis 1:6: 80 Gramm Stärke in 120 Millilitern kaltem Wasser anrühren, in 500 Milliliter kochendes Wasser einrühren, kurz aufkochen lassen.
Stärkekleister wird klarer und zieht weniger ins Papier ein. Das macht ihn zur besseren Wahl für dünne und helle Papiere, bei denen ein gelblicher Mehlkleister durchschlagen würde.
Tapetenkleister ansetzen
Methylcellulose wird nicht gekocht, sondern eingerührt und quellen gelassen. Nach Packungsangabe dosieren, ins Wasser streuen — nicht umgekehrt — und 15 bis 20 Minuten stehen lassen. Frisch angerührter Tapetenkleister ist immer klumpig; wer sofort loslegt, hält den Ansatz für misslungen.
Für Bastelarbeiten wird er meist etwas dünner angesetzt als für Tapeten, damit er das Papier gut durchtränkt.
Haltbarmachen
Gekochter Kleister ist ein Nährboden. Was hilft:
- Kühl und geschlossen lagern. Der Kühlschrank verdoppelt die Standzeit.
- Kleine Mengen ansetzen. Zwei Tage Bedarf statt Wochenvorrat.
- Ein Teelöffel Salz je halbem Liter verzögert den Befall etwas.
- Sauber arbeiten. Ein benutzter Pinsel im Topf trägt Papierfasern und Keime ein.
Schimmel im Kleister ist nicht durch Aufkochen zu beheben — der Ansatz kommt weg.
Festigkeit erhöhen
Für tragende Objekte reicht reiner Kleister oft nicht. Zehn bis zwanzig Prozent Holzleim im fertigen Kleister erhöhen die Endfestigkeit deutlich.
Das Ergebnis ist härter, wasserfester und nicht mehr korrigierbar: Getrockneter Leim lässt sich nicht mehr aufweichen und schlechter schleifen. Für Masken, Schalen und alles, was in die Hand genommen wird, lohnt sich der Zusatz trotzdem.
Welcher Kleister wofür
- Große Flächen, viele Lagen, mehrtägige Projekte: Tapetenkleister, weil er nicht verdirbt.
- Mit kleinen Kindern: Mehl- oder Stärkekleister.
- Dünnes, helles Papier: Stärkekleister.
- Tragende Objekte: Tapetenkleister mit Holzleimanteil.
- Schnelle Reparatur: verdünnter Holzleim ohne Kleister.
Wie daraus ein Objekt entsteht — Streifentechnik, Lagenzahl und die Trocknung, an der die meisten Projekte scheitern — steht in Pappmaché: Kleister, Schichten und Trocknung. Für frei stehende Figuren mit Gerüst siehe Pappmaché-Figuren.
Häufige Fragen
Wie lange hält selbst gekochter Kleister?
Mehlkleister hält im Kühlschrank in einem geschlossenen Gefäß zwei bis drei Tage, Stärkekleister etwa gleich lang. Beide sind Lebensmittel und verderben entsprechend: Sobald der Kleister säuerlich riecht, Fäden zieht oder sich Flecken auf der Oberfläche zeigen, gehört er weg. Für ein Projekt über mehrere Wochen ist Tapetenkleister aus Methylcellulose die praktischere Wahl, weil er nicht verdirbt und sich in kleinen Mengen frisch ansetzen lässt.
Warum ist mein Kleister klumpig geworden?
Weil Mehl oder Stärke direkt in heißes Wasser gegeben wurden. Beide verkleistern sofort bei Kontakt mit Hitze, und um jedes Klümpchen bildet sich eine feste Hülle, unter die kein Wasser mehr kommt. Der Trick ist immer derselbe: erst in kaltem Wasser zu einer glatten Aufschlämmung anrühren, dann unter Rühren in das kochende Wasser geben. Bei Tapetenkleister sind Klümpchen dagegen meist ein Zeitproblem — er braucht 15 bis 20 Minuten Quellzeit, bevor er glatt ist.
Kann ich Kleister mit Holzleim verstärken?
Ja, und das ist die gängigste Verbesserung. Ein Schuss Holzleim in fertigen Tapetenkleister erhöht die Endfestigkeit deutlich, ohne dass die Masse so zäh wird wie purer Leim. Als Anhaltspunkt sind etwa zehn bis zwanzig Prozent Leimanteil üblich. Der Nachteil: Die Verbindung wird wasserfest und damit nicht mehr korrigierbar, und ausgehärteter Leim lässt sich schlechter schleifen als reiner Kleister. Für Objekte, die später bemalt und stark beansprucht werden, lohnt es sich trotzdem.
Ist selbst gekochter Kleister für Kinder unbedenklich?
Mehl- und Stärkekleister bestehen aus Lebensmitteln und enthalten nichts, was über die Zutaten hinausgeht — das macht sie zur naheliegenden Wahl, wenn kleine Kinder mitbasteln. Zum Verzehr gedacht sind sie trotzdem nicht, und Papier und Druckfarbe kommen ohnehin dazu. Tapetenkleister ist kein Lebensmittel: Handelsübliche Sorten enthalten oft Zusätze gegen Schimmel, weshalb bei kleinen Kindern die gekochte Variante die einfachere Entscheidung ist.