Gießharz
Epoxidharz einfärben: Farbmittel, Dosierung, Grenzwerte
Welche Farbmittel sich für Epoxidharz eignen, wie hoch die Zugabemenge sein darf und warum zu viel Farbe die Reaktion verhindert.
Kurz gesagt
Epoxidharz wird mit Farbpasten, Mica-Pigmenten, Alkoholtinten oder Trockenpigmenten eingefärbt — alle müssen ausdrücklich für Epoxidharz freigegeben und wasserfrei sein. Die Gesamtzugabe bleibt unter etwa fünf Prozent des Gemischgewichts, bei Mica-Pulver reichen ein bis drei Prozent. Wasserbasierte Farben stören die Reaktion und führen zu klebrigen Stellen.
Von Redaktion Aura Shop
Farbmittel sind für Epoxidharz kein Zubehör, sondern ein Eingriff in eine chemische Reaktion. Harz und Härter reagieren in einem festen Mengenverhältnis miteinander; alles, was zusätzlich hineinkommt, verdünnt dieses Verhältnis.
Die vier Farbmittel
Farbpasten. Pigmente, die bereits in einer Epoxidbasis angerieben sind. Sie sind das Mittel der Wahl für deckende und für gleichmäßig durchgefärbte Güsse, lassen sich gut dosieren und stören die Reaktion am wenigsten. Übliche Zugabe: zwei bis fünf Prozent.
Mica-Pigmente. Feine, mit Metalloxiden beschichtete Glimmerplättchen. Sie erzeugen Schimmer und Tiefe statt flächiger Farbe, und sie bleiben auch im ausgehärteten Harz als einzelne Partikel sichtbar. Ein bis drei Prozent genügen; mehr macht die Mischung stumpf statt kräftiger.
Alkoholtinten. Stark färbende, transparente Flüssigkeiten. Sie ergeben die typischen wolkigen Verläufe und brauchen sehr wenig Material — wenige Tropfen auf 100 Gramm. Der Alkohol verflüchtigt sich während der Aushärtung; in größeren Mengen hinterlässt er Blasen und weiche Zonen.
Trockenpigmente. Reine Pigmentpulver. Sie müssen zwingend wasserfrei und für Kunstharz freigegeben sein und werden zuerst in einer kleinen Menge Harz angerieben, bevor sie ins Hauptgemisch kommen. Direkt eingerührt bilden sie Klümpchen, die sich nicht mehr auflösen.
Übersicht
| Farbpaste | Mica | Alkoholtinte | Trockenpigment | |
|---|---|---|---|---|
| Wirkung | deckend bis transluzent | Schimmer, Tiefe | transparent, wolkig | deckend |
| Zugabe | 2–5 % | 1–3 % | wenige Tropfen | 1–3 % |
| Dosierbarkeit | sehr gut | gut | schwierig | mittel |
| Absinkneigung | gering | hoch | keine | hoch |
| Vorbereitung | direkt einrühren | direkt einrühren | tropfenweise | vorher anreiben |
| Risiko | gering | Schlierenbildung | Blasen bei zu viel | Klümpchen |
Die Fünf-Prozent-Grenze
Die verbindliche Zahl steht im technischen Merkblatt des Harzes. Als Faustregel bleibt die Summe aller Zusätze unter fünf Prozent des Gesamtgewichts von Harz und Härter.
Das ist keine Vorsichtsempfehlung, sondern eine harte Grenze. Farbmittel nehmen an der Vernetzung nicht teil — sie sitzen als Fremdkörper zwischen den reagierenden Molekülen. Ab einer bestimmten Menge finden Harz und Härter einander nicht mehr vollständig, und das Ergebnis ist eine Oberfläche, die dauerhaft weich oder klebrig bleibt.
Bei mehreren Farbmitteln gleichzeitig zählt die Summe, nicht der einzelne Anteil.
Der Ablauf
- Harz und Härter zuerst. Erst das Basisgemisch nach Datenblatt abwiegen und vollständig homogen rühren, dann färben. Wer die Farbe vorher in die Harzkomponente gibt, kann die Vollständigkeit der Mischung nicht mehr an der Schlierenfreiheit ablesen.
- Menge abwiegen, nicht schätzen. Bei fünf Prozent auf 200 Gramm geht es um zehn Gramm — das ist mit dem Auge nicht zu treffen.
- Langsam einrühren. Farbe wird untergehoben, nicht aufgeschlagen. Schnelles Rühren schlägt Luft ein, die anschließend wieder herausmuss.
- In Teilmengen arbeiten. Für mehrfarbige Güsse das Basisgemisch in Becher aufteilen und jeden einzeln färben.
- Farbprobe machen. Ein Rest in einem Becherboden zeigt nach dem Aushärten die tatsächliche Farbe. Nasses Harz wirkt fast immer dunkler und satter als das fertige Stück.
Wie das Basisgemisch selbst richtig angesetzt wird, steht in Epoxidharz richtig mischen.
Typische Probleme
Klebrige Stellen nach dem Aushärten. Zu viel Farbmittel oder ein wasserhaltiges Produkt. Nicht durch Nachhärten zu retten — die betroffene Schicht muss abgetragen werden.
Schlieren im Guss. Farbe zu spät oder zu kurz eingerührt. Bei Mica ist ein Teil davon systembedingt.
Pigment liegt auf dem Boden. Schwere Partikel in dünnflüssigem Harz. Ein zäheres Harz nehmen, später zugeben oder in dünneren Lagen gießen.
Farbe wirkt milchig. Meist Luft, nicht Farbe. Was gegen Bläschen hilft, steht in Luftblasen im Epoxidharz.
Gelbstich in klaren Güssen. Kommt vom Harz, nicht vom Farbmittel, und hat mit Reaktionswärme und UV-Licht zu tun. Ursachen und Gegenmittel stehen in Epoxidharz klebrig, rissig oder gelb.
Sicherheit
Nicht ausgehärtetes Epoxidharz und besonders der Härter sind hautreizend und sensibilisierend. Pigmentstäube kommen als zweite Belastung dazu: Feine Pulver bleiben lange in der Luft. Nitrilhandschuhe, Schutzbrille und gute Belüftung gehören zur Grundausstattung, beim Umgang mit Trockenpigmenten zusätzlich ein Atemschutz. Pulver nie im Luftzug abwiegen.
Häufige Fragen
Wie viel Farbe darf ich ins Harz geben?
Als Obergrenze gelten rund fünf Prozent des Gesamtgewichts aus Harz und Härter, und diese Grenze bezieht sich auf alle Zusätze zusammen. Farbpasten liegen üblich bei zwei bis fünf Prozent, Mica-Pulver schon bei ein bis drei Prozent, Alkoholtinten bei wenigen Tropfen auf 100 Gramm. Wird mehr zugegeben, verdünnt der Zusatz das Reaktionsgemisch so weit, dass es weich bleibt oder gar nicht durchhärtet. Die verbindliche Zahl steht immer im technischen Merkblatt des jeweiligen Harzes.
Kann ich Acrylfarbe zum Einfärben nehmen?
Nur ausnahmsweise und nur in sehr kleinen Mengen. Handelsübliche Acrylfarbe ist wasserbasiert, und Wasser ist der zuverlässigste Weg, eine Epoxidreaktion zu stören: Es gibt trübe Schlieren, weiche Stellen und im schlimmsten Fall eine dauerhaft klebrige Oberfläche. Wenn überhaupt, dann stark angetrocknete Acrylfarbe in Spuren — planbar ist das nicht. Für deckende Farbigkeit sind Farbpasten auf Epoxidbasis die richtige Wahl.
Warum sinken meine Pigmente auf den Boden?
Schwere Pigmente sinken in dünnflüssigem Harz während der langen Topfzeit ab. Dagegen helfen drei Dinge: ein Harz mit höherer Viskosität, ein späterer Zugabezeitpunkt kurz vor dem Angelieren, oder das Gießen in dünneren Lagen. Bei Mica-Pulver ist das Absinken oft sogar erwünscht, weil sich daraus die typischen Schlieren ergeben — wenn der Effekt gleichmäßig sein soll, hilft nur ein zäheres Harz.
Wie bekomme ich wirklich deckendes Weiß oder Schwarz?
Mit Farbpasten, die für Epoxid gemacht sind, und mit Geduld statt Menge. Deckung entsteht über die Schichtdicke, nicht über die Pigmentkonzentration: Ein zwei Zentimeter dicker Guss mit drei Prozent weißer Paste deckt besser als ein fünf Millimeter dünner mit acht Prozent — und Letzterer härtet womöglich nicht mehr aus. Wo wirklich Deckkraft gebraucht wird, ist ein zweiter, ungefärbter Trägerguss mit einer dünnen farbigen Deckschicht der sicherere Weg.