Gießharz
Epoxidharz richtig mischen: Verhältnis, Rührtechnik, Topfzeit
Wie das Mischungsverhältnis bei Epoxidharz wirklich funktioniert, warum gewogen statt geschätzt wird und wie man richtig rührt.
Von Redaktion Aura Shop
Kurz gesagt
Epoxidharz wird nach dem Mischungsverhältnis des Herstellers dosiert, entweder nach Gewicht oder nach Volumen, und zwar auf wenige Prozent genau. Danach zwei bis drei Minuten langsam rühren, in einen zweiten Becher umtopfen und nochmals kurz rühren.
Das Mischen ist der Arbeitsschritt, an dem die meisten Güsse scheitern, und es ist zugleich der Schritt, der am wenigsten Aufmerksamkeit bekommt.
Warum das Verhältnis so genau sein muss
Epoxidharz trocknet nicht. Es reagiert. Harzmoleküle und Härtermoleküle verbinden sich zu einem dreidimensionalen Netzwerk, und dafür braucht jedes Harzmolekül seinen Partner.
Daraus folgen zwei Dinge, die dem Bauchgefühl widersprechen:
- Mehr Härter beschleunigt nicht. Er wird schlicht nicht verbraucht und bleibt als weichmachender Rest im Material.
- Weniger Härter härtet nicht langsamer, sondern unvollständig. Es bleiben unvernetzte Bereiche, die dauerhaft klebrig sind.
Übliche Verhältnisse liegen zwischen 100:100 und 100:30. Es gibt kein allgemeingültiges Verhältnis, jedes System hat sein eigenes.
Richtig dosieren
Waage statt Messbecher. Eine Küchenwaage mit Ein-Gramm-Auflösung reicht für die meisten Anwendungen. Becher auf die Waage, tarieren, Harz einwiegen, erneut tarieren, Härter einwiegen.
Auf die Angabe achten. Steht dort ein Gewichtsverhältnis, wird gewogen. Steht ein Volumenverhältnis, wird gemessen. Beides zu verwechseln ist ein verbreiteter Fehler, weil Harz und Härter unterschiedliche Dichten haben.
Kleine Mengen sind schwieriger. Bei zehn Gramm Gesamtmenge schlägt jedes Gramm Abweichung voll durch. Wer sehr kleine Mengen braucht, sollte eine Waage mit 0,1-Gramm-Auflösung verwenden.
Richtig rühren
Nicht schnell, sondern gründlich.
- Langsam rühren. Schnelles Rühren schlägt Luft ein, die später als Blasen im Guss steht.
- Wände und Boden mitnehmen. Unvermischtes Harz an der Becherwand ist die häufigste Ursache einzelner weicher Stellen.
- Zwei bis drei Minuten. Das fühlt sich lang an und ist es auch. Kürzer reicht selten.
- Umtopfen. Die Mischung in einen zweiten, sauberen Becher gießen und dort nochmals 30 Sekunden rühren. Was an der Wand des ersten Bechers klebte, bleibt dort.
Bei klaren Güssen lohnt es sich, das Harz vor dem Rühren kurz anzuwärmen, etwa im Wasserbad. Wärmeres Harz ist dünnflüssiger, nimmt weniger Luft auf und entlüftet besser. Achtung: Wärme verkürzt zugleich die Topfzeit deutlich.
Topfzeit verstehen
Die Topfzeit ist keine feste Eigenschaft des Harzes, sondern hängt ab von:
- Menge. Je mehr Material zusammen im Becher steht, desto stärker staut sich die Reaktionswärme und desto schneller läuft die Reaktion.
- Temperatur. Als grobe Orientierung halbiert sich die Topfzeit bei etwa zehn Grad mehr.
- Geometrie. Flach ausgegossen bleibt eine Mischung deutlich länger verarbeitbar als im hohen Becher.
Praktische Folge: Große Mengen nach dem Anrühren nicht im Becher stehen lassen, sondern zügig in die Form geben. Im Becher kann Harz so heiß werden, dass es raucht und der Becher sich verformt.
Einfärben und Füllen
Farbmittel und Füllstoffe gehören nach dem Mischen von Harz und Härter dazu, nicht vorher. Wichtig:
- Nur Farbmittel verwenden, die für das jeweilige Harzsystem freigegeben sind. Wasserbasierte Farben stören die Reaktion.
- Übliche Zugabemengen liegen im niedrigen einstelligen Prozentbereich des Gesamtgewichts. Zu viel Farbe verhindert die vollständige Aushärtung.
- Füllstoffe wie Mikroballons oder Baumwollflocken verändern Verarbeitung und Wärmeentwicklung erheblich.
Ausrüstung, die sich lohnt
- Waage mit Ein-Gramm-Auflösung, für kleine Mengen feiner
- Mischbecher mit Skala, aber die Skala nur als Kontrolle
- Flache Rührspatel statt runder Stäbe, sie erreichen die Becherecken
- Nitrilhandschuhe, ausreichend dick
- Küchenpapier und ein Reiniger für das nicht ausgehärtete Harz
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Was passiert, wenn beim Mischen etwas schiefgeht, steht in Klebriges Harz, Risse und Gelbstich. Die Unterschiede zwischen den Harzfamilien und die Sicherheitsregeln stehen in der Übersicht Gießharz.
Häufige Fragen
Kann ich mehr Härter nehmen, damit es schneller hart wird?
Nein. Der Härter ist bei Epoxidharz Reaktionspartner, nicht Katalysator. Beide Komponenten reagieren in einem festen stöchiometrischen Verhältnis miteinander. Überschüssiger Härter findet keinen Reaktionspartner, bleibt im Material zurück und macht den Guss dauerhaft weich und klebrig.
Gewicht oder Volumen, was gilt?
Was der Hersteller angibt. Die Dichten von Harz und Härter unterscheiden sich, deshalb sind Gewichts- und Volumenverhältnis nicht identisch. Ein System mit 100:45 nach Gewicht kann bei Volumendosierung ein völlig anderes Verhältnis haben. Das steht immer auf der Verpackung oder im Merkblatt.
Wie lange habe ich Zeit zum Verarbeiten?
Die Topfzeit reicht je nach System von etwa 20 Minuten bis zu mehreren Stunden. Sie gilt für eine bestimmte Menge bei einer bestimmten Temperatur, üblicherweise 100 Gramm bei 20 Grad. Größere Mengen im Becher reagieren deutlich schneller, weil sich die Wärme staut.