Gießharz
Klebriges Harz, Risse und Gelbstich: die häufigsten Fehler beim Gießen
Warum Gießharz nicht aushärtet, warum Blöcke reißen und warum klare Güsse gelb werden - die Ursachen und was dagegen hilft.
Von Redaktion Aura Shop
Kurz gesagt
Klebriges Harz kommt fast immer von falscher Dosierung oder zu kurzem Rühren. Risse entstehen durch zu dicke Schichten und die dabei freigesetzte Reaktionswärme. Gelbstich ist eine Folge von Überhitzung oder UV-Licht.
Fast alle Probleme mit Gießharz lassen sich auf wenige Ursachen zurückführen. Wer sie kennt, spart sich die Fehlersuche am fertigen, misslungenen Werkstück.
Das Harz bleibt weich oder klebrig
Das mit Abstand häufigste Problem, und es hat drei typische Ursachen.
Falsches Mischungsverhältnis. Epoxidharz härtet nicht durch Trocknen, sondern durch eine Reaktion zwischen Harz und Härter. Beide Komponenten müssen im vom Hersteller angegebenen Verhältnis vorliegen. Zu wenig Härter bedeutet nicht langsamere Aushärtung, sondern unvollständige.
Zwei Fallen dabei:
- Manche Systeme geben das Verhältnis nach Gewicht an, andere nach Volumen. Wer das verwechselt, liegt deutlich daneben.
- Mehr Härter beschleunigt nicht. Er ist Reaktionspartner, kein Katalysator.
Zu kurz gerührt. Zwei bis drei Minuten langsam rühren und dabei Boden und Wände des Bechers mitnehmen. Unvermischtes Material an der Becherwand ist die klassische Ursache für einzelne weiche Stellen. Wer nach dem Rühren in einen zweiten Becher umtopft und dort nochmals kurz rührt, umgeht das Problem.
Zu kalt. Unterhalb der angegebenen Verarbeitungstemperatur läuft die Reaktion unvollständig. Für die meisten Systeme sind rund 20 Grad Raumtemperatur der sichere Bereich, und zwar nicht nur beim Anrühren, sondern über die gesamte Aushärtezeit.
Bei Polyesterharz kommt eine weitere Ursache hinzu: Die Oberfläche härtet an Luft nicht vollständig aus, weil Sauerstoff die Reaktion stört. Dafür gibt es Systeme mit Wachszusatz oder eine abdeckende Folie.
Der Block reißt
Risse entstehen durch Wärme. Die Aushärtung ist exotherm, sie setzt Energie frei. In einer dünnen Schicht verteilt sich diese Wärme, in einem dicken Block staut sie sich.
Wird es zu heiß, härtet der Kern schneller aus als der Rand. Die dabei entstehenden Spannungen reißen das Material, oft erst Stunden später mit einem hörbaren Knacken.
Was hilft:
- Die im Merkblatt genannte maximale Schichtdicke einhalten. Sie ist keine Empfehlung, sondern eine Grenze.
- Für dicke Güsse ein ausdrücklich dafür ausgelegtes, langsam reagierendes Gießharz verwenden. Solche Systeme haben Topfzeiten von mehreren Stunden.
- In Lagen gießen und die vorherige Lage anhärten lassen.
- Kühl arbeiten. Ein Guss in einem heißen Raum reagiert schneller.
- Große Mengen nicht im Becher stehen lassen. Im Becher konzentriert sich die Wärme besonders stark, dort kann Harz sogar rauchen.
Der klare Guss wird gelb
Zwei verschiedene Ursachen, die oft verwechselt werden.
Sofortige Gelbfärbung deutet auf Überhitzung während der Aushärtung hin. Der Guss war zu dick oder die Umgebung zu warm.
Vergilbung über Monate ist UV-Alterung. Alle klaren Harze vergilben mit der Zeit, Polyesterharz schneller als Epoxid. Harze mit UV-Stabilisator verlangsamen das deutlich, verhindern es aber nicht dauerhaft. Wenn ein Werkstück in die Sonne kommt, gehört ein UV-beständiges System oder eine schützende Deckschicht dazu.
Blasen im Guss
Blasen kommen aus drei Quellen: aus dem Rühren, aus dem Eingießen und aus dem Untergrund.
- Langsam rühren. Schnelles Rühren schlägt Luft ein.
- Dünn und aus geringer Höhe gießen, an einer Ecke ansetzen und das Harz hochsteigen lassen.
- Poröse Materialien versiegeln. Holz und Gips geben beim Angießen Luft ab. Eine dünne Versiegelungsschicht Harz vorab schließt die Poren.
- Wärme. Kurzes Überstreichen mit einem Heißluftfön lässt oberflächennahe Blasen platzen. Nicht zu lange, sonst überhitzt das Harz.
Für wirklich blasenfreie klare Güsse führt an einer Vakuumentgasung des angerührten Harzes oder einer Aushärtung im Drucktopf kein Weg vorbei.
Die Oberfläche wird stumpf oder milchig
Feuchtigkeit. Epoxidharz reagiert empfindlich auf hohe Luftfeuchtigkeit während der Aushärtung, es entsteht ein schmieriger, milchiger Belag, das sogenannte Amin-Blushing. Er lässt sich mit warmem Wasser abwaschen, muss aber vor jeder weiteren Schicht entfernt werden, sonst haftet diese nicht.
Vorbeugend: nicht bei hoher Luftfeuchte gießen, das Werkstück während der Aushärtung abdecken.
Der Guss löst sich nicht aus der Form
Meist fehlte das Trennmittel, oder das Formmaterial war ungeeignet. Silikon trennt von sich aus, andere Materialien nicht. Bei Polyurethanharz in Silikonformen verlängert ein Trennmittel zudem die Standzeit der Form deutlich. Mehr dazu unter Abformtechnik und Formenbau.
Weiterlesen
Die Unterschiede zwischen Epoxid, Polyester und Polyurethan sowie die Sicherheitsregeln stehen in der Übersicht Gießharz.
Häufige Fragen
Kann ich klebriges Harz noch retten?
Wenn nur die Oberfläche klebt und der Kern fest ist, lässt sich die weiche Schicht abtragen und eine korrekt angemischte Deckschicht aufgießen. Ist die gesamte Masse weich, hilft nur Entfernen und neu gießen: Eine unvollständige Reaktion lässt sich nicht nachträglich starten.
Wie lange muss Epoxidharz aushärten?
Grifffest ist es je nach System nach 12 bis 24 Stunden, die Endfestigkeit erreicht es erst nach mehreren Tagen. Belastung, Schleifen und Polieren sollten bis zur vollständigen Durchhärtung warten, sonst verzieht sich das Werkstück oder die Oberfläche wird stumpf.
Warum ist mein Guss innen heiß geworden?
Die Aushärtung ist eine exotherme Reaktion, sie setzt Wärme frei. Je mehr Material an einer Stelle reagiert, desto weniger Wärme kann abfließen. Über der zulässigen Schichtdicke schaukelt sich das auf: Die Wärme beschleunigt die Reaktion, die dadurch noch mehr Wärme erzeugt.