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Gießharz

Luftblasen im Gießharz vermeiden und entfernen

Woher Blasen im Harz kommen und was gegen sie hilft: Rührtechnik, Gießtechnik, Wärme, Vakuum und Drucktopf im Vergleich.

Von Redaktion Aura Shop

Kurz gesagt

Blasen entstehen beim Rühren, beim Eingießen und aus porösen Materialien. Langsam rühren, dünn und aus geringer Höhe gießen, poröse Teile vorher versiegeln. Für wirklich blasenfreie klare Güsse braucht es Vakuum vor dem Gießen oder Druck während der Aushärtung.

Blasen sind das sichtbarste Qualitätsmerkmal eines klaren Gusses. Sie haben drei Quellen, und für jede gibt es eine eigene Gegenmaßnahme.

Quelle 1: das Rühren

Beim Mischen von Harz und Härter wird zwangsläufig Luft eingeschlagen. Wie viel, hängt von der Rührtechnik ab.

  • Langsam rühren, nicht schlagen. Ein flacher Spatel arbeitet ruhiger als ein runder Stab.
  • Nicht mit dem Bohrer aufrühren, außer bei großen Mengen und dann mit niedriger Drehzahl.
  • Den Rührer beim Herausziehen abstreifen statt abtropfen zu lassen.
  • Nach dem Rühren einige Minuten stehen lassen. Ein Großteil der Blasen steigt von selbst auf, solange das Harz dünnflüssig ist.

Anwärmen hilft doppelt: Warmes Harz ist dünnflüssiger, nimmt weniger Luft auf und lässt die vorhandenen Blasen schneller aufsteigen. Der Preis ist eine deutlich kürzere Topfzeit.

Quelle 2: das Eingießen

Wer aus großer Höhe und in dickem Strahl gießt, schlägt erneut Luft ein.

Besser: an einer Ecke oder an der tiefsten Stelle ansetzen, in dünnem Strahl aus etwa zehn bis dreißig Zentimetern Höhe gießen und das Harz von selbst hochsteigen lassen. Der dünne Strahl zieht die Flüssigkeit lang und lässt eingeschlossene Blasen abreißen.

Bei Formen mit Hinterschneidungen die Form leicht kippen und langsam aufrichten, damit die Luft immer nach oben entweichen kann. Eine Entlüftung an der höchsten Stelle der Form gehört bei geschlossenen Formen dazu, siehe Abformtechnik.

Quelle 3: der Untergrund

Poröse Materialien geben Luft ab, sobald Harz sie benetzt und die Reaktionswärme sie ausdehnt. Betroffen sind vor allem:

  • Holz, besonders Stirnholz und rissige Stücke
  • Gips und unglasierte Keramik
  • getrocknete Pflanzenteile
  • geschäumte Kunststoffe

Die Lösung ist immer dieselbe: eine dünne Versiegelungsschicht Harz auftragen, vollständig aushärten lassen und erst dann den eigentlichen Guss machen.

Blasen nachträglich entfernen

Solange das Harz flüssig ist, lassen sich die oberflächennahen Blasen zum Platzen bringen.

Wärme. Ein Heißluftfön auf niedriger Stufe oder ein Gasbrenner, in schneller Bewegung und mit Abstand. Die Wärme senkt kurzfristig die Viskosität, die Blasen steigen auf und platzen. Nicht an einer Stelle verharren: Überhitztes Harz wird gelb und kann unkontrolliert reagieren.

Anstupsen. Einzelne größere Blasen lassen sich mit einer Nadel oder einem Zahnstocher gezielt öffnen.

Blasen tief im Material erreicht man auf diesem Weg nicht mehr. Sie sind nach der Aushärtung dauerhaft drin.

Die technischen Lösungen

Vakuumentgasung. Das angerührte Harz kommt vor dem Gießen in eine Vakuumkammer. Der Unterdruck lässt die Blasen stark wachsen, aufsteigen und platzen. Zu beachten: Die Mischung schäumt dabei erheblich auf, der Behälter sollte höchstens zu einem Drittel gefüllt sein. Für Harze mit kurzer Topfzeit ist das Verfahren ungeeignet, weil die Entgasung Zeit braucht.

Drucktopf. Der befüllte Guss härtet unter Druck aus, üblich sind etwa zwei bis vier bar. Die verbliebenen Blasen werden so weit zusammengepresst, dass sie mit bloßem Auge nicht mehr sichtbar sind. Für klare Güsse ist das die wirksamere der beiden Methoden, weil sie auch die Blasen erwischt, die erst beim Gießen entstehen.

Wichtig: Ein Drucktopf für diesen Zweck muss für den Betriebsdruck zugelassen sein. Umgebaute Behälter ohne Zulassung sind ein ernsthaftes Sicherheitsrisiko.

Was realistisch ist

Für Untersetzer, Schmuck und Dekoration reichen saubere Rühr- und Gießtechnik plus etwas Wärme völlig aus. Ein vollständig blasenfreier, dicker klarer Block ohne Druck ist dagegen schwer zu erreichen.

Weiterlesen

Zur Rührtechnik im Detail siehe Epoxidharz richtig mischen, zu den übrigen typischen Fehlern Klebriges Harz, Risse und Gelbstich.

Häufige Fragen

Vakuum oder Drucktopf, was ist besser?

Beides löst unterschiedliche Probleme. Vakuum zieht die Luft aus dem angerührten Harz, bevor es in die Form kommt, und ist bei Silikon und bei Gießharz mit langer Topfzeit sinnvoll. Ein Drucktopf presst die verbliebenen Blasen während der Aushärtung so klein zusammen, dass sie unsichtbar werden. Für klare Güsse ist Druck meist die wirksamere Methode.

Kann ich Blasen mit einem Feuerzeug entfernen?

Von der Idee her ja, in der Praxis riskant. Ein Heißluftfön auf niedriger Stufe oder ein Gasbrenner mit Abstand und in schneller Bewegung lässt oberflächennahe Blasen platzen. Zu lange an einer Stelle überhitzt das Harz, es verfärbt sich gelb oder reagiert unkontrolliert. Offene Flamme direkt auf dem Harz hinterlässt zudem Ruß.

Warum kommen aus meinem Holzstück ständig Blasen?

Holz ist porös und enthält Luft, die sich beim Kontakt mit Harz und durch die entstehende Reaktionswärme ausdehnt und aufsteigt. Abhilfe schafft eine dünne Versiegelungsschicht Harz, die vollständig aushärten muss, bevor der eigentliche Guss erfolgt.