Modellbau
Washing und Trockenmalen: Alterung, die nicht übertrieben wirkt
Wie Washing Vertiefungen betont und Trockenmalen Kanten hervorhebt, in welcher Reihenfolge beides kommt und wo die typischen Übertreibungen liegen.
Kurz gesagt
Washing ist stark verdünnte, dunkle Farbe, die in Vertiefungen läuft und Struktur sichtbar macht. Trockenmalen ist fast trockene, helle Farbe, die nur auf erhabenen Kanten haftet. Erst Washing, dann Trockenmalen — und beides auf einer glänzenden Zwischenschicht, damit sich das Washing kontrollieren lässt.
Von Redaktion Aura Shop
Ein sauber lackiertes Modell wirkt oft flach. Der Grund ist eine Frage der Beleuchtung: Am realen Objekt sammelt sich Schmutz in Vertiefungen, und Kanten sind heller, weil sie berührt und abgerieben werden. Genau diese beiden Effekte bauen Washing und Trockenmalen nach.
Was die beiden Techniken tun
Washing ist stark verdünnte, dunkle Farbe. Sie läuft durch Kapillarwirkung in Gravuren, Nietenreihen und Ecken und bleibt dort. Das Ergebnis: Struktur, die vorher nur ertastbar war, wird sichtbar.
Trockenmalen ist das Gegenteil. Ein fast trockener Pinsel mit heller Farbe wird über die Oberfläche gezogen; Farbe haftet nur an den höchsten Punkten. Das Ergebnis: Kanten und Nietenköpfe treten hervor.
Beide zusammen erzeugen den Eindruck von Tiefe. Einzeln wirkt Washing schmutzig und Trockenmalen kreidig.
Wo die beiden Schritte im Lackaufbau sitzen
Die Reihenfolge ist nicht beliebig. Jede Schicht hat eine Aufgabe für die darüberliegende — der Glanzklarlack vor den Decals verhindert das Silbern der Trägerfolie, der Glanzklarlack danach schützt sie vor dem Washing.
Die Trennschicht ist der halbe Erfolg
Der wichtigste Schritt findet vor dem Washing statt: eine Schicht glänzender Klarlack über die fertige Basislackierung.
Auf einer glänzenden Oberfläche hat die verdünnte Farbe keinen Halt. Sie fließt dorthin, wo sie hin soll — in die Vertiefungen — und lässt sich von der Fläche mit einem sauberen, leicht angefeuchteten Pinsel oder einem Wattestäbchen wieder abnehmen. Auf mattem Untergrund verkrallt sie sich sofort und hinterlässt genau die Ränder, über die sich alle ärgern.
Washing anlegen
- Farbe verdünnen. Als Startpunkt etwa ein Teil Farbe auf zehn Teile Verdünner. Die Mischung soll sich wie gefärbtes Wasser verhalten.
- Nicht flächig auftragen. Den Pinsel an eine Gravur setzen und die Flüssigkeit einziehen lassen. Sie läuft von selbst weiter.
- Antrocknen lassen, aber nicht durchtrocknen.
- Überschuss zurücknehmen — mit einem sauberen Pinsel, immer in Richtung der Bauteilstruktur, nicht kreisend.
Farbwahl. Reines Schwarz wirkt fast immer zu hart. Für graue und olivfarbene Modelle passt ein sehr dunkles Braun oder Graubraun besser, für sandfarbene ein warmes Braun. Der Ton soll dunkler sein als die Basis, aber nicht aus einer anderen Welt.
Trockenmalen
- Einen alten, breiten Pinsel mit stumpfen Borsten nehmen. Ein guter neuer Pinsel ist dafür zu schade und zu weich.
- Sehr wenig Farbe aufnehmen, dann auf Küchenpapier ausstreichen, bis fast keine Spur mehr entsteht.
- Mit sehr leichtem Druck quer über Kanten streichen.
- In mehreren Durchgängen aufbauen, statt in einem zu viel aufzutragen.
Farbwahl. Zwei bis drei Stufen heller als die Basis, in derselben Farbfamilie. Reines Weiß ist der Klassiker unter den Fehlern: Es wirkt kreidig und nimmt dem Modell die Farbe.
Wo es kippt
- Jede Gravur betont. Wenn wirklich jede Linie dunkel abgesetzt ist, sieht das Modell aus wie ein technisches Zeichnungsraster. Real sammelt sich Schmutz nicht gleichmäßig.
- Trockenmalen auf Flächen. Es gehört auf Kanten. Sobald ein Wischeffekt auf einer glatten Fläche zu sehen ist, war zu viel Farbe am Pinsel.
- Kontrast ohne Anlass. Ein Fahrzeug, das im Einsatz zwei Wochen alt ist, hat keine ausgebleichten Kanten. Die Alterung sollte zu der Geschichte passen, die das Modell erzählt.
- Der Mattlack fehlt. Ohne abschließenden Mattlack bleibt der Glanzlack sichtbar, und die ganze Arbeit wirkt wie Plastik.
Wie die Basis darunter entsteht, steht im Ratgeber Grundierung im Modellbau.
Häufige Fragen
Warum bleibt mein Washing als hässlicher Rand auf der Fläche stehen?
Weil der Untergrund matt ist. Auf matter Farbe verkrallt sich die Flüssigkeit in der rauen Oberfläche und trocknet dort, wo sie gerade steht. Deshalb kommt vor das Washing eine glänzende Klarlackschicht: Darauf läuft die Flüssigkeit in die Vertiefungen und lässt sich mit einem sauberen Pinsel von der Fläche zurücknehmen. Der Mattlack kommt erst ganz zum Schluss.
Womit verdünne ich ein Washing?
Mit dem zum Farbsystem passenden Verdünner, nicht querbeet. Ölfarbe wird mit Verdünner für Ölfarbe oder geruchsarmem Testbenzin verdünnt und ist besonders gut korrigierbar, weil sie langsam trocknet. Acrylfarbe verdünnt man mit Wasser plus einem Tropfen Spülmittel oder mit einem Acryl-Verdünner. Wichtig ist nur, dass das Washing die darunterliegende Schicht nicht anlöst — deshalb die Klarlack-Trennschicht.
Wie viel Farbe bleibt beim Trockenmalen auf dem Pinsel?
Weniger, als man glaubt. Der Pinsel wird auf Küchenpapier so lange ausgestrichen, bis er auf dem Papier fast keine Spur mehr hinterlässt. Erst dann geht er ans Modell. Wenn nach dem ersten Strich sofort Farbe auf der Fläche liegt, war zu viel drauf — dann lieber neu ansetzen als versuchen, es zu verwischen.
In welcher Reihenfolge kommen Grundierung, Farbe, Washing, Decals und Mattlack?
Grundierung, Basisfarbe, Glanzklarlack, Decals, noch einmal Glanzklarlack, Washing, Trockenmalen, Pigmente, zuletzt Mattlack. Der Glanzlack vor den Decals verhindert das Silbern der Trägerfolie, der Glanzlack danach schützt sie vor dem Washing, und der Mattlack ganz am Ende nimmt allem den Kunststoffglanz.