Lichtfaser & LED
PMMA-Lichtfasern: Endlicht, Seitenlicht und die richtige Stärke
Worin sich End- und Seitenlichtfasern unterscheiden, welche Durchmesser wofür gebraucht werden und was Fasern aushalten.
Kurz gesagt
Endlichtfasern leuchten nur an der Schnittkante und sind für Sternenhimmel und Punktlichter gedacht, Seitenlichtfasern leuchten über ihre gesamte Länge und ersetzen dünne Leuchtschnüre. Für Sternenhimmel sind 0,75 bis 1,5 mm üblich, für Modellbau 0,25 bis 0,5 mm, für sichtbare Leuchtlinien 3 mm und mehr.
Von Redaktion Aura Shop
Lichtfaser ist nicht gleich Lichtfaser. Die erste Entscheidung fällt zwischen zwei Bauarten, die sich äußerlich kaum unterscheiden und völlig verschiedene Dinge tun.
Endlicht und Seitenlicht
Endlichtfaser. Ein PMMA-Kern mit einem Mantel aus Material mit niedrigerem Brechungsindex. Licht, das flach genug in den Kern eintritt, wird an der Grenzfläche vollständig zurückgeworfen und läuft bis zum Ende der Faser. Sichtbar ist deshalb nur die Schnittkante — ein Punkt. Genau das macht den Sternenhimmel.
Seitenlichtfaser. Der Mantel ist so beschaffen, dass kontrolliert Licht austritt. Die Faser leuchtet über die ganze Länge und wirkt wie ein sehr dünnes Neonrohr. Sie ist deutlich lichthungriger, weil die Energie über die gesamte Strecke abgegeben wird, und wird von einer Seite oder von beiden Enden eingespeist.
Eine Endlichtfaser lässt sich nicht in eine Seitenlichtfaser umbauen. Wer mittendrin Licht braucht, kauft die richtige Bauart.
Durchmesser
Der Durchmesser bestimmt zwei Dinge: wie viel Licht durchgeht und wie groß der Lichtpunkt am Ende ist.
| Durchmesser | Typischer Einsatz |
|---|---|
| 0,25 – 0,5 mm | Modellbau, Cockpitinstrumente, Fahrzeugleuchten im Maßstab |
| 0,75 mm | dichte Sternenhimmel, feine Punkte |
| 1,0 mm | Standard für Sternenhimmel, gut sichtbar |
| 1,5 mm | einzelne helle Sterne, Akzente |
| 2,0 – 3,0 mm | Punktlichter, Effektbeleuchtung |
| ab 3 mm Seitenlicht | sichtbare Leuchtlinien, Konturen |
Ein Sternenhimmel wirkt lebendiger, wenn er drei Stärken mischt — etwa 0,75, 1,0 und 1,5 mm im Verhältnis 6:3:1. Ein Himmel aus lauter gleich hellen Punkten sieht nach Lochblech aus.
Was Fasern aushalten
Temperatur. PMMA verformt sich ab etwa 70 °C. Das ist der Grund, warum Lichtfasern nie direkt an einer Glühlampe eingespeist werden, sondern an einem LED-Projektor mit kaltem Lichtaustritt oder über einen Filter. An einer heißen Lichtquelle schmilzt das Faserende zu und wird milchig.
UV. Ungeschützte Fasern vergilben im direkten Sonnenlicht über Jahre. In der Zimmerdecke ist das kein Thema, in einer Fassade oder im Poolbereich sehr wohl — dort gehören UV-stabilisierte Fasern hin.
Biegung. Siehe FAQ: rund das Zwanzigfache des Durchmessers als Mindestradius. Jeder engere Bogen ist ein Lichtverlust und eine Schwachstelle.
Chemie. PMMA verträgt keine Lösemittel. Aceton, Nitroverdünnung und viele Sprühkleber greifen die Oberfläche an und machen sie milchig. Zum Fixieren eignen sich Heißkleber (mit Abstand zur Faser), Silikon oder Klebeband.
Sauber ablängen
Die Helligkeit am Faserende hängt direkt von der Schnittfläche ab. Eine gequetschte oder ausgefranste Kante streut das Licht in alle Richtungen und wirkt matt.
- Mit einer scharfen Klinge in einem Zug rechtwinklig durchtrennen, nicht mit dem Seitenschneider quetschen.
- Wenn die Fläche stumpf wirkt: mit 1000er und 2000er Nassschleifpapier plan schleifen.
- Mit Kunststoffpolitur auf einem Tuch klarpolieren.
Für größere Mengen lohnt ein beheizter Faserschneider: Er schmilzt die Schnittfläche in einem Arbeitsgang glatt.
Einspeisung planen
Auf der Seite der Lichtquelle werden alle Fasern zu einem Bündel zusammengefasst, gemeinsam abgelängt und plan geschliffen. Zwei Punkte, die in der Praxis den Unterschied machen:
- Bündelquerschnitt beachten. Der Projektor gibt einen maximalen Durchmesser vor. Alles, was außerhalb des Lichtkegels liegt, bleibt dunkel — und man sucht den Fehler später an der falschen Stelle.
- Reserve einplanen. Fasern werden auf der Deckenseite eingezogen und erst danach abgelängt. Wer knapp schneidet, hat keine zweite Chance.
Wie daraus ein fertiger Himmel wird, steht im Ratgeber Sternenhimmel selber bauen.
Häufige Fragen
Warum leuchtet meine Faser auf der ganzen Länge, obwohl sie es nicht soll?
Dann ist es entweder eine Seitenlichtfaser, oder der Mantel der Endlichtfaser ist beschädigt. PMMA-Endlichtfasern führen das Licht durch Totalreflexion im Kern; ein Knick oder ein Kratzer im Mantel lässt an dieser Stelle Licht austreten. Deshalb dürfen Fasern nicht scharfkantig gebogen und beim Einziehen nicht über Grate geschliffen werden.
Wie eng darf ich eine Lichtfaser biegen?
Als Faustregel gilt ein Biegeradius vom Zwanzigfachen des Faserdurchmessers, also etwa 2 cm bei einer 1-mm-Faser. Enger geht kurzfristig, kostet aber Helligkeit, weil Licht aus dem Bogen austritt, und begünstigt Weißbruch im Material. Wo es eng wird, hilft leichtes Erwärmen mit einem Heißluftgerät auf kleiner Stufe.
Kann ich Lichtfasern kürzen und wie schneide ich sie sauber?
Ja, und der Schnitt entscheidet über die Helligkeit am Faserende. Eine raue oder schräge Schnittfläche streut das Licht. Am saubersten wird es mit einer scharfen, frisch geschliffenen Klinge oder einem beheizten Schneider; alternativ nachträglich mit feinem Schleifpapier planschleifen und mit Polierpaste klarpolieren.
Wie viele Fasern verträgt ein Projektor?
Begrenzend ist der Querschnitt des Faserbündels am Einspeisepunkt, nicht die Stückzahl. Der Hersteller gibt einen maximalen Bündeldurchmesser an; wird er überschritten, liegen Fasern außerhalb des Lichtkegels und bleiben dunkel. Grob gerechnet passen in eine 12-mm-Aufnahme rund 130 Fasern à 1 mm, wenn sie dicht gepackt sind.