Kerzen gießen
Kerzenwachs im Vergleich: Paraffin, Stearin, Soja und Bienenwachs
Schmelzpunkt, Schwund, Duftbindung und Verarbeitung der vier gängigen Kerzenwachse — und welches sich für welche Kerzenform eignet.
Kurz gesagt
Paraffin ist das am einfachsten zu verarbeitende Wachs mit der besten Duft- und Farbaufnahme, Stearin gibt harte, formstabile Kerzen und wird meist beigemischt, Sojawachs ist weich und für Behälterkerzen gedacht, Bienenwachs ist hart, teuer und riecht von selbst. Für freistehende Kerzen braucht es ein hartes Wachs, für Gläser ein weiches.
Von Redaktion Aura Shop
Die Wachswahl entscheidet über drei Dinge, die man am fertigen Produkt sofort sieht: ob die Kerze freistehend hält, wie sauber die Oberfläche aussieht und wie stark sie duftet.
Die vier Wachse
Paraffin. Ein Nebenprodukt der Erdölraffination, in verschiedenen Schmelzpunktklassen erhältlich. Nimmt Farbe und Duft besser auf als jedes andere Wachs, ist günstig und sehr gut verarbeitbar. Die Klassen unterscheiden sich deutlich: weiches Paraffin um 46 bis 52 °C für Gläser, hartes um 58 bis 62 °C für freistehende Kerzen.
Stearin. Aus pflanzlichen oder tierischen Fetten, kristallin und hart. Wird selten pur verarbeitet, sondern zu 5 bis 10 Prozent zugegeben: Es erhöht die Härte, verbessert die Formstabilität und den Schwund, sodass sich die Kerze leichter aus der Form löst. Macht die Kerze außerdem undurchsichtig weiß.
Sojawachs. Gehärtetes Sojaöl. Es gibt zwei grundverschiedene Sorten — Container-Soja ist weich und für Gläser gedacht, Pillar-Soja ist mit Zusätzen gehärtet und für freistehende Kerzen. Brennt langsam, neigt zu Frosting, bindet Duft ordentlich, aber nicht so stark wie Paraffin.
Bienenwachs. Hart, mit hohem Schmelzpunkt um 62 bis 65 °C, brennt sehr langsam und riecht von sich aus nach Honig. Der Eigengeruch überlagert zugesetzte Düfte, weshalb Bienenwachs meist pur verarbeitet wird. Deutlich teurer als alles andere.
Übersicht
| Paraffin | Stearin | Soja (Container) | Bienenwachs | |
|---|---|---|---|---|
| Schmelzpunkt | 46–62 °C | 55–70 °C | 45–52 °C | 62–65 °C |
| Härte | je nach Klasse | sehr hart | weich | hart |
| Schwund | mittel | hoch | gering | mittel |
| Duftaufnahme | sehr gut | gering | gut | überlagert |
| Farbaufnahme | sehr gut | gut | mäßig | gelblich |
| Freistehend | ja (harte Klasse) | als Zusatz | nein | ja |
| Im Glas | ja (weiche Klasse) | nein | ja | bedingt |
| Eigengeruch | neutral | neutral | leicht | deutlich |
Schwund verstehen
Wachs zieht sich beim Erstarren zusammen. Das ist kein Defekt, sondern eine Eigenschaft, die man je nach Kerzenform braucht oder vermeidet.
Freistehende Kerzen profitieren davon: Die Kerze löst sich von der Formwand und lässt sich entnehmen. Dafür entsteht in der Mitte ein Trichter um den Docht, der in einem zweiten Guss aufgefüllt werden muss.
Behälterkerzen leiden darunter: Zieht sich das Wachs von der Glaswand zurück, entstehen milchige Ablösungen und Hohlräume. Deshalb weiches Wachs, vorgewärmtes Glas und langsames Abkühlen.
Verarbeitung
Schmelzen. Immer im Wasserbad oder in einem Wachsschmelzer, nie direkt auf der Platte. Wachs ist brennbar; direkt erhitzt kann es den Flammpunkt erreichen. Ein Thermometer ist Pflicht, kein Zubehör.
Gießtemperatur. Je nach Wachs unterschiedlich, meist 60 bis 75 °C. Zu heiß gegossen erzeugt Risse und starken Schwund, zu kalt gegossen führt zu Lufteinschlüssen und einer unregelmäßigen Oberfläche.
Abkühlen. Langsam und zugfrei. Ein Zugluftzug an einer Seite lässt die Kerze ungleichmäßig erstarren.
Zweiter Guss. Bei freistehenden Kerzen nach dem vollständigen Erkalten den Trichter um den Docht mit Wachs derselben Charge auffüllen.
Farbe und Duft
- Farbe nur mit Kerzenfarbstoff, nicht mit Lebensmittelfarbe: Diese ist wasserbasiert und verbindet sich nicht mit Wachs.
- Duft nach Herstellerangabe dosieren, meist 6 bis 10 Prozent, und bei der angegebenen Temperatur einrühren. Zu viel Duftöl schwitzt aus.
- Kein Ätherisches Öl in beliebiger Menge. Viele ätherische Öle haben einen niedrigen Flammpunkt und verflüchtigen sich schon beim Einrühren.
Welcher Docht zu welchem Wachs und Durchmesser gehört, steht in Kerzendocht richtig wählen. Den vollständigen Ablauf vom Abwiegen bis zum ersten Abbrand beschreibt Kerzen selber machen.
Häufige Fragen
Welches Wachs eignet sich für Kerzen im Glas?
Container-Sojawachs oder ein weiches Paraffin mit niedrigem Schmelzpunkt. Beide bleiben weich genug, um sich beim Abkühlen an die Glaswand anzuschmiegen — harte Wachse ziehen sich beim Erstarren zusammen und lösen sich von der Wand, was als milchiger Rand sichtbar wird. Für freistehende Kerzen ist es genau umgekehrt: Dort ist Schwund erwünscht, damit sich die Kerze aus der Form löst.
Warum bekommt meine Sojakerze diese fleckige Oberfläche?
Das ist Frosting, eine natürliche Kristallisation pflanzlicher Wachse. Es ist ein optischer Effekt, kein Fehler, und beeinflusst das Abbrennverhalten nicht. Reduzieren lässt es sich durch langsameres Abkühlen, ein leicht vorgewärmtes Gefäß und eine niedrigere Gießtemperatur. Ganz verhindern lässt es sich bei reinem Sojawachs nicht.
Wie viel Duftöl kann ich zugeben?
Die Herstellerangabe des Wachses ist die Grenze, meist 6 bis 10 Prozent der Wachsmasse. Mehr bindet das Wachs nicht: Der Überschuss schwitzt aus, sammelt sich an der Oberfläche und kann beim Abbrennen zu einer unruhigen, rußenden Flamme führen. Eingerührt wird bei der vom Hersteller angegebenen Temperatur, meist um 60 bis 70 °C, und dann zwei Minuten gleichmäßig.
Kann ich Wachsreste mischen?
Technisch ja, planbar nein. Sobald Wachse mit verschiedenen Schmelzpunkten und Schwundwerten zusammenkommen, ist die passende Dochtstärke nicht mehr vorherzusagen und muss neu ertestet werden. Für Experimente in Ordnung, für eine reproduzierbare Kerze nicht. Restwachs sammelt man besser sortenrein.