Kerzen gießen
Kerzen selber machen: Anleitung in sieben Schritten
Der vollständige Ablauf: Wachsmenge berechnen, Docht setzen, Schmelz- und Gießtemperatur treffen, zweiter Guss, Ruhezeit und der erste Abbrand.
Kurz gesagt
Wachs im Wasserbad auf 70 bis 80 °C schmelzen, Docht mittig fixieren, bei der wachsspezifischen Gießtemperatur (meist 60 bis 75 °C) langsam einfüllen, langsam und zugfrei abkühlen lassen und den Trichter um den Docht in einem zweiten Guss auffüllen. Die Wachsmenge entspricht dem Gefäßvolumen in Millilitern mal 0,9. Vor dem ersten Anzünden mindestens 48 Stunden ruhen lassen.
Von Redaktion Aura Shop
Kerzengießen besteht aus fünf Entscheidungen: Wachs, Docht, Menge, Temperatur und Ruhezeit. Wer alle fünf trifft, bevor der Topf auf dem Herd steht, bekommt beim ersten Versuch eine brauchbare Kerze.
Was Sie brauchen
| Gegenstand | Anforderung |
|---|---|
| Wachs | Behälterwachs für Gläser, hartes Wachs für freistehende Kerzen |
| Docht | passend zum Durchmesser, nicht zum Gefühl |
| Schmelzgefäß | Wachsschmelztopf oder Metallkanne im Wasserbad |
| Thermometer | Pflicht, kein Zubehör — Küchenthermometer genügt |
| Dochthalter | Wäscheklammer oder Holzspieß über der Öffnung |
| Waage | grammgenau, für Wachs und Duftölanteil |
| Unterlage | Backpapier oder Silikonmatte |
Welches Wachs zu welcher Kerzenform gehört und wie sich die vier gängigen Sorten in Schmelzpunkt, Schwund und Duftbindung unterscheiden, steht in Kerzenwachs im Vergleich. Die Dochtstärke ist die häufigste Fehlerquelle überhaupt und hat einen eigenen Artikel: Kerzendocht richtig wählen.
Schritt 1: Menge berechnen
Volumen des Gefäßes in Millilitern mal 0,9 ergibt den Wachsbedarf in Gramm. Am einfachsten misst man das Volumen, indem man das leere Gefäß mit Wasser füllt und dieses in einen Messbecher gießt.
Rechnen Sie zehn Prozent Reserve dazu. Ein Teil bleibt am Schmelzgefäß zurück, und für den zweiten Guss brauchen Sie ohnehin einen Rest aus derselben Charge.
Bei mehreren gleichen Kerzen lohnt es sich, die Gesamtmenge in einem Durchgang zu schmelzen: Zwei getrennt geschmolzene Chargen haben nie exakt dieselbe Farbtiefe.
Schritt 2: Docht setzen
Der Docht wird vor dem Gießen fixiert, nicht danach.
Im Glas. Dochtfuß mit einem Klebepad oder einem Tropfen heißem Wachs mittig auf den Boden setzen und andrücken. Das obere Ende zwischen zwei Holzspießen oder in einer Wäscheklammer über der Öffnung einspannen, sodass der Docht senkrecht und straff steht. Ein schräg stehender Docht brennt einseitig und lässt die Kerze an einer Seite auslaufen.
In der Gießform. Docht durch das Loch im Formboden ziehen, außen mit Dichtungskitt abdichten und oben straff spannen. Undichte Stellen zeigen sich erst, wenn das Wachs schon ausläuft.
Schritt 3: Schmelzen
Immer im Wasserbad oder im Wachsschmelzer, nie direkt auf der Platte. Wachs ist brennbar, und direkt erhitzt kann es seinen Flammpunkt erreichen.
Die Zieltemperatur liegt bei den meisten Wachsen zwischen 70 und 80 °C. Höher zu gehen bringt nichts und schadet: Über etwa 90 °C beginnen Paraffine sich zu verfärben, und Duftöle verflüchtigen sich, bevor sie eingerührt sind.
Schritt 4: Farbe und Duft zugeben
Farbe nur mit Kerzenfarbstoff, niemals mit Lebensmittelfarbe — die ist wasserbasiert und verbindet sich nicht mit Wachs.
Duft nach Herstellerangabe dosieren, meist sechs bis zehn Prozent der Wachsmasse. Eingerührt wird bei der vom Hersteller genannten Temperatur, in der Regel um 60 bis 70 °C, und dann zwei Minuten gleichmäßig. Zu viel Duftöl bindet das Wachs nicht: Der Überschuss schwitzt aus und lässt die Flamme unruhig werden.
Schritt 5: Gießen
Die Gießtemperatur steht auf dem Wachsdatenblatt und liegt meist zwischen 60 und 75 °C. Sie ist keine Formsache:
- Zu heiß gegossen heißt starker Schwund, Risse und bei Behälterkerzen Ablösungen von der Glaswand.
- Zu kalt gegossen heißt Lufteinschlüsse und eine unregelmäßige, klumpige Oberfläche.
Gefäße für Behälterkerzen vorher leicht anwärmen, etwa mit warmem Wasser oder zehn Minuten im Backofen bei 50 °C. Trifft heißes Wachs auf kaltes Glas, erstarrt die Randschicht sofort und löst sich später als milchiger Streifen.
Langsam und in einem Zug am Dochtrand entlang eingießen. Etwa ein Zentimeter unter dem gewünschten Endstand aufhören — der Rest kommt im zweiten Guss.
Schritt 6: Abkühlen und zweiter Guss
Langsam und zugfrei abkühlen lassen, nicht in den Kühlschrank. Ein Luftzug an einer Seite lässt die Kerze ungleichmäßig erstarren und erzeugt Risse.
Wachs zieht sich beim Erstarren zusammen. Um den Docht entsteht deshalb ein Trichter, der nach dem vollständigen Erkalten mit Wachs derselben Charge aufgefüllt wird. Das Nachgusswachs sollte etwa fünf Grad wärmer sein als die Gießtemperatur, damit es sich mit der bestehenden Oberfläche verbindet, statt als sichtbare zweite Schicht aufzusitzen.
Schritt 7: Ruhen und erster Abbrand
Ruhezeit. Paraffin 24 bis 48 Stunden, Sojawachs für die volle Duftentfaltung ein bis zwei Wochen.
Docht kürzen auf 5 bis 7 Millimeter. Ein längerer Docht erzeugt eine zu große Flamme und rußt.
Erster Abbrand. Brennen lassen, bis der flüssige Pool den Rand erreicht, Faustregel eine Stunde je 2,5 Zentimeter Durchmesser. Diese erste Brennphase legt fest, wie weit die Kerze künftig abschmilzt. Wer sie zu früh löscht, bekommt eine Kerze, die dauerhaft tunnelt.
Wenn etwas schiefgeht
Tunnel, Risse, Rußen, milchige Ränder und Absacken haben wenige, klar zuordenbare Ursachen — meist Dochtstärke, Temperaturführung oder Zusätze. Welches Fehlerbild wovon kommt, steht in Tunnel, Risse und Absacken.
Häufige Fragen
Wie viel Wachs brauche ich für ein Glas?
Multiplizieren Sie das Fassungsvermögen des Gefäßes in Millilitern mit 0,9 — das ergibt den ungefähren Wachsbedarf in Gramm. Ein 200-Milliliter-Glas braucht also rund 180 Gramm. Der Faktor kommt von der Dichte der gängigen Kerzenwachse, die zwischen 0,86 und 0,96 Gramm je Kubikzentimeter liegt. Rechnen Sie zehn Prozent Reserve dazu: Am Schmelzgefäß und am Rührwerkzeug bleibt immer Wachs hängen, und für den zweiten Guss wird ohnehin ein Rest gebraucht.
Kann ich Kerzenreste einschmelzen?
Für Deko- und Übungskerzen ja, für ein reproduzierbares Ergebnis nein. Bei Resten ist unbekannt, welches Wachs mit welchem Schmelzpunkt und welchem Duftölanteil zusammenkommt — und damit lässt sich die passende Dochtstärke nicht mehr vorhersagen, sondern nur noch ertesten. Alte Dochtreste, Streichholzköpfe und Rußpartikel vorher absieben, sonst verstopfen sie die neue Dochtzone.
Warum soll die Kerze vor dem Anzünden mehrere Tage stehen?
Wachs kristallisiert nach dem Erstarren weiter aus und erreicht seine Endhärte erst nach Stunden bis Tagen. Bei Paraffin reichen 24 bis 48 Stunden, Sojawachs braucht für die volle Duftentfaltung ein bis zwei Wochen. Eine zu früh angezündete Kerze brennt unruhiger, weil das Wachs noch nicht gleichmäßig durchgehärtet ist.
Wie lange muss die Kerze beim ersten Mal brennen?
So lange, bis der flüssige Wachspool den Rand erreicht — als Faustregel etwa eine Stunde je 2,5 Zentimeter Kerzendurchmesser. Wachs hat ein Gedächtnis: Wird die Kerze beim ersten Mal zu früh gelöscht, brennt sie bei jedem weiteren Mal nur bis zu diesem Durchmesser weiter und tunnelt. Der erste Abbrand legt fest, wie die Kerze für den Rest ihres Lebens abbrennt.