Kerzen gießen
Kerzendocht richtig wählen: Stärke, Material, Brenntest
Warum der Docht über Tunneln, Rußen und Abbrand entscheidet und wie man ihn zum Kerzendurchmesser passend auswählt.
Von Redaktion Aura Shop
Kurz gesagt
Der Docht wird nach dem Kerzendurchmesser gewählt, nicht nach der Höhe. Zu dünn führt zum Tunneln, zu dick zu Ruß und großer Flamme. Wachsart, Farbe und Duftölanteil verschieben den passenden Bereich, deshalb gehört zu jeder neuen Rezeptur ein Brenntest.
Wenn eine selbstgemachte Kerze nicht funktioniert, liegt es fast immer am Docht. Das Wachs bestimmt Aussehen und Duftbindung, der Docht bestimmt den Abbrand.
Was der Docht tut
Der Docht ist eine Kapillare. Er saugt geschmolzenes Wachs nach oben, wo es verdampft und verbrennt. Die Menge, die er nachliefert, bestimmt die Flammengröße, und die Flammengröße bestimmt, wie groß der Schmelzsee wird.
Daraus folgt der wichtigste Zusammenhang: Der Docht muss zum Durchmesser der Kerze passen, nicht zu ihrer Höhe. Eine 20 Zentimeter hohe Kerze mit sechs Zentimetern Durchmesser braucht denselben Docht wie eine fünf Zentimeter hohe mit sechs Zentimetern Durchmesser.
Zu dünn und zu dick
Zu dünn: Der Schmelzkreis bleibt kleiner als der Kerzendurchmesser. Es entsteht ein Tunnel, außen bleibt Wachs stehen, und irgendwann ertrinkt die Flamme im eigenen Wachssee. Ein erheblicher Teil des Wachses wird nie verbrannt.
Zu dick: Zu viel Wachs kommt oben an. Die Flamme wird groß und unruhig, rußt und bildet eine Kohleknospe. Der Schmelzsee wird tief, das Wachs heiß, und bei Behälterkerzen erwärmt sich das Glas stark.
Dazwischen liegt ein Bereich, in dem der Schmelzsee nach ein bis zwei Stunden den Rand erreicht und etwa einen halben bis einen Zentimeter tief ist.
Dochtmaterial
Flachdochte aus geflochtener Baumwolle sind der Standard für freistehende Kerzen. Sie krümmen sich beim Brennen, wodurch die Spitze in die heiße Zone gerät und abbrennt, was das Rußen verringert.
Runddochte brennen gleichmäßiger und werden vor allem bei Bienenwachs und größeren Kerzen verwendet.
Dochte mit Stützkern aus Papier oder Baumwolle stehen aufrecht und sind für Behälterkerzen praktisch, weil sie beim Gießen nicht umfallen.
Holzdochte knistern und geben eine breite, flache Flamme. Sie verlangen eigene Auslegungsregeln und funktionieren nicht in jedem Wachs.
Dochte mit Bleikern sind in der EU nicht verkehrsfähig und spielen keine Rolle mehr.
Was den passenden Docht verschiebt
Der Hersteller gibt für jeden Docht einen Durchmesserbereich an. Dieser Bereich verschiebt sich durch:
- Wachsart. Naturwachse brauchen meist einen stärkeren Docht als Paraffin.
- Duftölanteil. Duftöl macht das Wachs zähflüssiger und den Abbrand träger.
- Farbe. Pigmente können den Docht zusetzen, Flüssigfarben weniger als Pulver.
- Behälter oder freistehend. Im Glas staut sich Wärme, der Schmelzsee wird größer.
Deshalb gilt: Die Herstellerangabe ist ein Startpunkt, kein Ergebnis.
Der Brenntest
Bei jeder neuen Rezeptur lohnt eine Testkerze.
- Kerze mindestens 24 Stunden, besser einige Tage ruhen lassen. Frisch gegossene Kerzen brennen anders.
- Anzünden und stündlich beobachten.
- Nach ein bis zwei Stunden prüfen: Erreicht der Schmelzsee den Rand? Wie tief ist er?
- Auf Ruß, Flammenhöhe und Kohleknospe achten.
- Bei Abweichung eine Dochtstärke nach oben oder unten korrigieren und erneut testen.
Ein Test pro Rezeptur spart eine ganze misslungene Serie.
Das erste Anzünden
Eine Kerze merkt sich ihren Schmelzkreis. Beim ersten Brennen sollte sie so lange brennen, bis die flüssige Schicht bis zum Rand reicht. Wird sie vorher gelöscht, brennt sie künftig immer in diesem kleineren Kreis, egal wie gut der Docht gewählt war.
Den Docht vor jedem Anzünden auf etwa einen Zentimeter kürzen.
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Wachsarten, Farbe, Duft und der Gießvorgang stehen in der Übersicht Kerzen gießen und gestalten.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich, dass der Docht zu dünn ist?
Die Kerze tunnelt: Es bildet sich nur ein kleiner Schmelzkreis um die Flamme, während außen ein Wachsrand stehen bleibt. Die Flamme ist klein und wirkt kraftlos, oft ertrinkt sie irgendwann im eigenen Wachs.
Woran erkenne ich einen zu dicken Docht?
Die Flamme ist auffällig groß und unruhig, es entsteht Ruß, und der Docht bildet eine große Kohleknospe an der Spitze. Der Schmelzsee wird sehr tief, das Wachs kann heiß werden und bei Behälterkerzen das Glas stark erwärmen.
Brauchen Naturwachse andere Dochte als Paraffin?
In der Regel etwas stärkere. Sojawachs und Bienenwachs sind zähflüssiger im geschmolzenen Zustand, der Docht muss mehr Arbeit leisten, um Wachs nachzuliefern. Ein Docht, der in Paraffin gut funktioniert, tunnelt in Sojawachs oft.