Malbedarf
Pigmente und Lichtechtheit: was auf der Farbtube wirklich steht
Pigmentindex, Lichtechtheitsskala, Deckkraft und Serienpreis — wie sich aus den Angaben auf der Tube die Qualität einer Farbe ablesen lässt.
Kurz gesagt
Entscheidend ist nicht der Farbname, sondern der Pigmentindex (etwa PB29 für Ultramarin) und die Lichtechtheitsangabe. Ein einzelnes Pigment pro Tube ergibt sauberere Mischungen als eine Rezeptur aus dreien, und alles unterhalb der zweitbesten Lichtechtheitsstufe gehört nicht in Arbeiten, die dauerhaft hängen sollen.
Von Redaktion Aura Shop
Auf zwei Tuben steht derselbe Farbname, und trotzdem verhalten sie sich völlig verschieden: Die eine deckt, die andere lasiert, die eine bleibt über Jahre stabil, die andere verblasst am Fenster. Die Antwort steht in der Kleinschrift.
Der Pigmentindex
Der Colour Index ist die einzige verlässliche Angabe auf einer Tube. Farbnamen sind Marketing; „Preußischblau”, „Pariserblau” und „Eisenblau” sind dasselbe Pigment: PB27.
- P steht für Pigment,
- der zweite Buchstabe für die Farbfamilie: B blau, Y gelb, R rot, G grün, O orange, V violett, Br braun, Bk schwarz, W weiß,
- die Zahl bezeichnet das Pigment eindeutig.
Ein paar, die man kennen sollte:
| Index | Pigment | Eigenschaft |
|---|---|---|
| PB29 | Ultramarinblau | warm, transparent, sehr lichtecht |
| PB15:3 | Phthaloblau | extrem stark färbend, kalt |
| PY35 | Kadmiumgelb | deckend, sehr lichtecht |
| PY74 | Arylidgelb | preiswert, transparent |
| PR108 | Kadmiumrot | deckend, sehr lichtecht |
| PR122 | Chinacridonmagenta | transparent, klar |
| PBr7 | Erdfarben (Umbra, Siena) | preiswert, sehr lichtecht |
| PW6 | Titanweiß | stark deckend |
Ein Index pro Tube ist besser als drei. Wer mit Einzelpigmenten mischt, behält die Kontrolle. Rezepturen aus mehreren Pigmenten sind oft günstiger Ersatz für ein teures Originalpigment und führen in Mischungen schnell ins Graue.
Lichtechtheit
Lichtechtheit beschreibt, wie stabil ein Pigment unter Licht bleibt. Zwei Skalen sind gebräuchlich, und beide laufen gegenläufig — eine verbreitete Quelle für Missverständnisse:
- ASTM (amerikanisch): I ist am besten, V am schlechtesten. Empfehlung: nur I und II verwenden.
- Blauwollskala (europäisch, oft als Sterne oder Zahlen): 8 ist am besten, 1 am schlechtesten. Empfehlung: ab 6, besser 7 bis 8.
Manche Hersteller drucken stattdessen ein eigenes Sternesystem auf, meist drei Sterne als Bestwert. Steht gar keine Angabe auf der Tube, ist das selbst eine Information.
Kritisch sind traditionell die leuchtenden Rosa- und Violetttöne sowie manche Grüntöne — sie werden häufig aus wenig lichtechten organischen Pigmenten hergestellt. Erdfarben und Kadmiumpigmente sind dagegen sehr stabil.
Deckkraft und Transparenz
Die meisten Hersteller drucken ein kleines Quadrat auf die Tube:
- ausgefüllt — deckend
- halb ausgefüllt — halbdeckend
- leer — transparent (lasierend)
Das ist keine Qualitätsaussage, sondern eine Arbeitsanweisung. Lasuren brauchen transparente Pigmente, ein Alla-prima-Auftrag deckende. Wer eine transparente Farbe deckend auftragen will, arbeitet gegen das Material.
Was das für den Farbkasten heißt
Eine kleine Palette aus Einzelpigmenten mischt mehr Töne als ein großer Kasten aus Rezepturfarben. Ein tragfähiger Grundstock:
- ein warmes und ein kaltes Gelb
- ein warmes und ein kaltes Rot
- ein warmes und ein kaltes Blau
- Umbra gebrannt, Titanweiß
Damit sind praktisch alle Mischungen erreichbar, und jede von ihnen bleibt klar, weil nie mehr als zwei bis drei Pigmente beteiligt sind.
Welches Bindemittel dazu passt, steht in Acryl oder Ölfarbe.
Häufige Fragen
Was bedeutet PB29 oder PY35 auf der Tube?
Das ist der Colour Index, die international einheitliche Bezeichnung des Pigments. Der Buchstabe steht für die Farbfamilie (PB = Pigment Blue, PY = Pigment Yellow, PR = Pigment Red), die Zahl für das konkrete Pigment. PB29 ist Ultramarin, egal welcher Hersteller es abfüllt und welchen Fantasienamen er auf die Tube druckt. Wer nach Index kauft statt nach Namen, vergleicht tatsächlich dasselbe.
Warum werden meine Mischungen schmutzig?
Häufig, weil die verwendeten Farben selbst schon Mischungen sind. Eine Tube mit drei Pigmenten bringt in jede Mischung drei Pigmente ein; bei zwei solchen Farben mischt man effektiv sechs. Das Ergebnis geht ins Graue. Eine Palette aus Einzelpigment-Farben — erkennbar an genau einem Index auf der Tube — mischt deutlich klarer.
Was heißt Serie 1, Serie 4 und so weiter?
Die Serie ist eine reine Preisgruppe und sagt nichts über die Qualität aus. Sie richtet sich nach den Rohstoffkosten des Pigments: Erdfarben liegen in Serie 1, Kadmium- und Kobaltpigmente in Serie 4 oder höher. Eine Serie-1-Farbe kann hervorragend lichtecht sein, eine teure Serie-5-Farbe im Einzelfall weniger.
Sind Studienqualität und Künstlerqualität wirklich verschieden?
Ja, und der Unterschied liegt im Pigmentanteil. Studienfarben enthalten weniger Pigment und mehr Füllstoff, decken schwächer und werden häufig mit günstigeren Ersatzpigmenten hergestellt — erkennbar an Namen wie „Kadmiumgelb-Farbton". Zum Üben ist das völlig in Ordnung; für Arbeiten, die verkauft werden oder Jahrzehnte hängen sollen, lohnt der Aufpreis.