Malbedarf
Acryl oder Ölfarbe: welche Farbe passt zu welcher Malweise
Trocknung, Malgrund, Korrigierbarkeit und Haltbarkeit im direkten Vergleich - und warum die Reihenfolge beim Übermalen zählt.
Von Redaktion Aura Shop
Kurz gesagt
Acryl trocknet in Minuten und eignet sich für Schichtenmalerei und schnelles Arbeiten, Öl bleibt Stunden bis Tage offen und erlaubt weiche Übergänge. Öl kann über getrocknetem Acryl liegen, Acryl über Öl nicht.
Die Wahl zwischen Acryl und Öl ist keine Qualitätsfrage, sondern eine Frage der Arbeitsweise. Sie entscheidet vor allem darüber, wie viel Zeit man pro Schicht hat.
Der direkte Vergleich
| Acrylfarbe | Ölfarbe | |
|---|---|---|
| Trocknung | Minuten bis Stunden | Tage bis Monate |
| Trocknungsart | Wasser verdunstet | Öl oxidiert |
| Nass in Nass | nur kurz, mit Verzögerer länger | über Stunden bis Tage |
| Korrigieren | übermalen, sobald trocken | abwischen, solange offen |
| Malgrund | fast alles, kaum Vorbereitung | Grundierung nötig |
| Verdünnen | Wasser, Medium | Terpentin, Öl, Malmittel |
| Reinigung | Wasser, solange nass | Lösemittel oder Pinselseife |
| Farbtonverschiebung | dunkelt beim Trocknen nach | kaum |
| Geruch | gering | je nach Lösemittel deutlich |
Wann Acryl die richtige Wahl ist
- Wenn in Schichten gearbeitet wird und die vorherige Lage schnell trocken sein soll
- Wenn keine Lösemittel im Raum sein sollen
- Auf ungewöhnlichen Untergründen wie Holz, Karton, Stein oder Kunststoff
- Wenn das Bild bald transportiert oder gerahmt werden muss
- Für Mischtechniken mit Collage, Marker oder Pastell
Die schnelle Trocknung ist zugleich der größte Nachteil: Weiche Übergänge sind schwierig, weil die Farbe auf der Palette und auf dem Bild wegtrocknet. Verzögerer, Malbutter und eine Feuchtpalette verschieben das deutlich.
Wann Öl die richtige Wahl ist
- Für weiche Verläufe und Nass-in-Nass-Malerei
- Für Portraits und Hauttöne, wo Übergänge zählen
- Wenn über Tage an derselben Stelle gearbeitet wird
- Für tiefe, gesättigte Dunkeltöne, die in Öl oft brillanter wirken
Der Preis ist Geduld und Organisation: Ein Ölbild braucht Platz zum Trocknen, und Firnis kommt erst nach vollständiger Durchtrocknung darauf, was je nach Schichtdicke Monate dauern kann.
Die Reihenfolge beim Kombinieren
Beides lässt sich in einem Bild verwenden, aber nur in einer Richtung.
Öl auf Acryl: funktioniert. Eine vollständig getrocknete Acrylschicht ist ein guter Untergrund für Ölfarbe. Viele Maler nutzen Acryl für die schnelle Untermalung und arbeiten in Öl weiter.
Acryl auf Öl: funktioniert nicht dauerhaft. Acryl haftet nicht auf einer öligen Oberfläche und löst sich später ab.
Innerhalb der Ölmalerei gilt zusätzlich fett auf mager: Der Ölanteil steigt von Schicht zu Schicht, sonst reißt die obere Schicht.
Malgrund
Acryl haftet fast überall und braucht nur eine Grundierung, wenn der Untergrund stark saugt.
Ölfarbe braucht eine Grundierung zwingend. Ohne sie zieht das Öl in den Träger, die Farbschicht magert aus und wird brüchig, und bei Leinwand greift die Säure das Gewebe an. Gesso ist der übliche Weg und funktioniert für beide Systeme.
Weiterlesen
Wie man Pigmentangaben, Lichtechtheit und Deckkraft auf der Tube liest, steht in der Übersicht Malbedarf und Künstlerfarben.
Häufige Fragen
Warum wird Acrylfarbe beim Trocknen dunkler?
Das Bindemittel ist im nassen Zustand milchig weiß und klart beim Trocknen auf. Dadurch verschiebt sich der Farbton, meist etwas dunkler und satter. Wer Farben exakt anpassen will, sollte eine Probe trocknen lassen, statt im nassen Zustand zu vergleichen.
Was bedeutet fett auf mager?
Bei Ölmalerei muss jede Schicht mehr Öl enthalten als die darunterliegende. Ölreichere Schichten bleiben länger elastisch. Liegt eine magere, schnell trocknende Schicht auf einer fetten, reißt sie, sobald die untere Schicht noch arbeitet. Praktisch heißt das: mit terpentinverdünnter Farbe beginnen und den Ölanteil von Schicht zu Schicht erhöhen.
Sind Acrylfarben wirklich lichtechter als Ölfarben?
Nicht das Bindemittel entscheidet über Lichtechtheit, sondern das Pigment. Dasselbe Pigment ist in Acryl und in Öl ähnlich beständig. Acryl vergilbt allerdings nicht, während Öl über Jahrzehnte einen leichten Gelbstich entwickeln kann, besonders im Dunkeln gelagert.