Textilfarben
Seidenmalerei: Gutta, Serti und die Wahl der Seide
Wie die Serti-Technik Konturen setzt, worin sich Gutta-Sorten unterscheiden und welche Seidenqualität zu welchem Vorhaben passt.
Kurz gesagt
Bei der Serti-Technik zieht eine Gutta-Linie eine Barriere durch das Gewebe, innerhalb derer die Farbe stehen bleibt. Lösemittel-Gutta dringt zuverlässiger durch und wird chemisch gereinigt, wasserbasierte Gutta wird ausgewaschen und ist praktischer im Haushalt. Für Einsteiger ist Ponge 5 bis 8 die richtige Seide.
Von Redaktion Aura Shop
Seide nimmt Farbe anders auf als Baumwolle: Die Flüssigkeit läuft im Gewebe weiter, bis etwas sie stoppt. Das ist gleichzeitig der Reiz und das Problem der Seidenmalerei — und der Grund, warum die Serti-Technik existiert.
Serti
Serti heißt eingefasst. Vor dem Farbauftrag wird die Kontur mit Gutta gezogen, einer Masse, die in das Gewebe eindringt und dort eine wasserfeste Barriere bildet. Innerhalb dieser geschlossenen Fläche verteilt sich die Farbe gleichmäßig bis an den Rand — und nicht darüber hinaus.
Die entscheidende Bedingung: Die Linie muss geschlossen sein. Eine einzige Lücke von einem Millimeter reicht, damit Farbe in die Nachbarfläche läuft.
Gutta
| Typ | Vorteil | Nachteil |
|---|---|---|
| Lösemittelbasiert | dringt sicher durch, auch bei schwerer Seide | chemische Reinigung nötig, Geruch |
| Wasserbasiert | wird ausgewaschen, geruchsarm | nur für leichtere Seiden, empfindlicher |
| Farbig / metallic | bleibt als Gestaltungselement stehen | wird nicht entfernt |
Ziehen. Gutta kommt in eine Flasche mit feiner Düse oder in einen Malkopf. Die Flasche wird senkrecht geführt, mit gleichmäßigem Druck und ohne Absetzen. Absetzen erzeugt Verdickungen, in denen die Gutta nicht durchzieht.
Kontrolle. Nach dem Trocknen den Rahmen umdrehen: Die Linie muss auf der Rückseite durchgehend sichtbar sein. Lücken werden von der Rückseite nachgezogen.
Trocknen lassen. Vollständig, bevor Farbe kommt. Feuchte Gutta ist keine Barriere.
Seide auswählen
Ponge ist die Standard-Malseide, glatt und gleichmäßig. Die Zahl bezeichnet das Flächengewicht:
- Ponge 5 — sehr leicht, günstig, ideal zum Üben
- Ponge 8 — der Allrounder für Tücher
- Ponge 10 und schwerer — mehr Fall, aber Gutta muss sicher durchziehen
Crêpe de Chine hat eine leicht körnige Struktur und fällt weich, nimmt Farbe etwas anders an. Habotai entspricht weitgehend Ponge. Strukturseiden wie Wildseide oder Dupion sind für Serti nicht geeignet, weil die Gutta an den Verdickungen der Faser nicht sauber abdichtet.
Vor der Arbeit: Seide waschen, wenn sie Appretur trägt, und auf einen Rahmen spannen. Der Stoff darf den Tisch nicht berühren, sonst zieht die Farbe an der Auflagestelle in Flecken.
Farbauftrag
- Farbe mit einem weichen Pinsel in die Mitte der Fläche setzen und auslaufen lassen. Nicht an die Guttalinie heranmalen — die Farbe kommt von selbst dorthin.
- Kanten und Ecken zuletzt, mit wenig Farbe.
- Für Verläufe die zweite Farbe in die noch feuchte erste setzen.
- Für Effekte: grobes Salz auf die feuchte Farbe streuen — es zieht Flüssigkeit an und erzeugt Sternstrukturen. Nach dem Trocknen abbürsten.
Farbe kann verdünnt werden; bei den meisten Systemen mit Wasser oder einem Verdünnermittel des Herstellers. Stark verdünnte Farbe wandert weiter und gleichmäßiger.
Fixieren und Ausrüsten
Dämpfen. Die Seide wird in Papier gerollt, sodass sich keine zwei Lagen berühren, und 2 bis 3 Stunden über Dampf fixiert. Ergibt die brillantesten und beständigsten Farben.
Bügeln. Bei bügelfixierbaren Farben von der Rückseite, bei mittlerer Hitze, mehrere Minuten in Bewegung.
Danach: Gutta entfernen — wasserbasiert durch Auswaschen in lauwarmem Wasser, lösemittelbasiert durch chemische Reinigung. Dann handwarm mit mildem Waschmittel spülen, feucht ausbreiten und leicht feucht bügeln.
Grundsätzliches zur Fixierung steht in Textilfarbe fixieren, die Reservierungstechniken für Baumwolle in Batik selber machen.
Häufige Fragen
Warum läuft meine Farbe über die Gutta-Linie hinaus?
Weil die Linie das Gewebe nicht vollständig durchdrungen hat. Die Gutta muss auf der Rückseite als durchgehende Linie sichtbar sein — ist sie es an einer Stelle nicht, hat die Farbe dort einen Durchgang. Ursachen: zu schnelles Ziehen, zu feine Düse, zu dick eingestellte Gutta oder zu schwere Seide für die gewählte Gutta.
Was ist der Unterschied zwischen Lösemittel-Gutta und wasserbasierter Gutta?
Lösemittel-Gutta durchdringt auch schwerere Seiden zuverlässig und hält härtere Farbaufträge, muss aber chemisch gereinigt werden und riecht beim Arbeiten. Wasserbasierte Gutta wird nach dem Fixieren einfach ausgewaschen und ist damit haushaltstauglich, verlangt aber leichtere Seide und ein sorgfältigeres Ziehen. Für die meisten Vorhaben ist wasserbasiert die vernünftigere Wahl.
Welche Seide nehme ich für ein Tuch?
Ponge 8 ist der bewährte Kompromiss: fein genug, dass Farbe und Gutta gleichmäßig durchziehen, und schwer genug, dass das Tuch fällt. Ponge 5 ist leichter und günstiger, eignet sich gut zum Üben. Crêpe de Chine und Habotai sind ebenfalls verbreitet; Strukturseiden wie Wildseide nehmen Farbe unregelmäßig auf und sind für die Serti-Technik ungeeignet.
Muss ich Seidenfarbe dämpfen?
Das hängt vom Farbtyp ab. Dampffixierbare Farben liefern die brillantesten und waschbeständigsten Ergebnisse, brauchen aber 2 bis 3 Stunden im Dämpfer. Bügelfixierbare Farben werden auf der Rückseite bei mittlerer Hitze mehrere Minuten fixiert — bequemer, aber etwas weniger farbtief. Wer verkauft oder etwas dauerhaft nutzen will, dämpft.